Handbuch "Ein Weg aus der Gewalt"

20. Dezember 2004, 13:25
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Expertinnen und Frauenhaus-Mitarbeiterinnen geben Erfahrungen weiter

Wien - Die Zahlen aus verschiedenen Gewaltschutzeinrichtungen sprechen eine deutliche Sprache: Körperliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt zu. Beim Frauennotruf der Stadt Wien wurden heuer bereits 5000 telefonische und persönliche Beratungskontakte gezählt. Die Interventionsstelle gegen Gewalt hat im Jahr 2003 insgesamt 3.656 Personen betreut. 2002 waren es noch 2.477. Auch die Frauenhelpline gegen Männergewalt hat in den letzten Jahren einen enormen Anstieg von Anrufen von Frauen in einer akuten Krisensituation verzeichnet. Waren es 2001 233 Frauen, die in einer akuten Krise angerufen haben, so suchten 2003 bereits 600 Frauen Hilfe.

Vier Frauenhäuser in Wien

"Frauenhäuser sind eine wichtige Einrichtung, damit diese Frauen zur Ruhe kommen und wieder in die Zukunft blicken können. Frauenhäuser sind keine Endstation, sondern der Ort für einen Neubeginn", so Frauenstadträtin Sonja Wehsely in einer Aussendung von Donnerstag.

In Wien gibt es vier Frauenhäuser, die von der Stadt Wien finanziert werden. 66 Fixangestellte und zahlreiche Mitarbeiterinnen, die im Bereich Dolmetsch und Vertretung beschäftigt sind, kümmern sich um die Frauen. Pro Haus sind das 10 bis 11 Vollzeitdienstposten im Betreuungsbereich.

Im vergangenen Jahr suchten 554 Frauen, die meisten von ihnen mit Kindern, Zuflucht in einem der Wiener Frauenhäuser. In den Jahren davor waren es zwischen 400 und 450. Also ist auch hier eine Zunahme zu beobachten. Häufig sind es Frauen mit Migrationshintergrund, für die das Frauenhaus Schutz und Hilfe bietet. Die meisten haben kein eigenes Einkommen. Dies finanzielle Abhängigkeit ist auch der Grund dafür, dass die Frauen oft lange bei einem Gewalttäter bleiben, bevor sie die Flucht und den Neustart im Frauenhaus wagen.

Gelebte Frauensolidarität

"Unsere Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Gewalt möchten wir gerne auch weitergeben", sagt Wehsely. So soll das im Rahmen der WAVE(Women against Violence Europe)-Kampagne entwickelte Handbuch "Ein Weg aus der Gewalt" Interessierten beim Aufbau eines Frauenhauses helfen. "Das ist für mich gelebte Frauensolidarität, wenn wir uns gegenseitig unterstützen, unsere Ideen und Erfahrungen austauschen und weitergeben", so die Frauenstadträtin.

An der Erarbeitung des Handbuchs, das unter anderem von der Stadt Wien und der Europäischen Kommission finanziert wurde, haben Expertinnen und langjährige Frauenhaus-Mitarbeiterinnen aus acht Ländern mitgewirkt. "Ziel ist es, Gründerinnen beim Aufbau eines Frauenhauses zu unterstützen", betont Wehsely. "Aber natürlich wollen wir damit auch die interessierte Öffentlichkeit und die Medien über die Rolle von Frauenhäusern informieren." (red)

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