Der Zyklus endet früher als erwartet

9. Februar 2005, 19:19
5 Postings

Die Regierung könnte mit ihren Konjunktur- und Budgetprognosen eine böse Überraschung erleben - mit Infografik

"Nachdem die Konjunktur jetzt wieder anspringt, wird alles leichter werden", glaubt Finanzstaatssekretär Alfred Finz. Doch er und die Regierung könnten mit ihren Konjunktur- und Budgetprognosen eine böse Überraschung erleben. Die Regierung geht noch immer davon aus, dass die Spitze des Konjunkturzyklus in Europa erst 2005 oder gar 2006 erreicht würde - ganz im Gegensatz zu internationalen wie heimischen Wirtschaftsforschern.

Diese haben bereits vor einiger Zeit attestiert, dass der Zyklus bereits nun, im zweiten Halbjahr 2004, seinen Höhepunkt erreichen werde und 2005 wieder verflache.

Die Bank Austria etwa rechnet für 2005 mit einem Rückgang der Konjunkturdynamik im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2004. Das Institut sieht den Höhepunkt des aktuellen Konjunkturzyklus bereits zum Jahresende überschritten. Die Frage ist damit vielmehr, ob es zu einer sanften Landung kommt oder möglicherweise zu einer eher harten. Darüber wird vor allem der Ölpreis entscheiden, und hier sieht es eher weniger gut aus.

Der französische Finanzminister Nicolas Sarkozy zeigte sich am Mittwoch besorgt, dass keine Entspannung am Ölmarkt in Sicht sei. Laut dem französischen Industrieminister Patrick Devedijan würde ein weiterhin hoher Ölpreis Frankreich in diesem Jahr 0,5 Punkte seines erwarteten Wachstums von 2,4 Prozent kosten. Auch Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero äußerte am Mittwoch die Sorge, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 Prozentpunkte verringert werden könnte. Die Ölpreise sind seit vielen Monaten fast ununterbrochen im Aufwärtstrend. Am Dienstag hatte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent einen neuen Höchststand von 51,50 Dollar erreicht. Allein seit Jahresbeginn verteuerte sich der Barrelpreis damit um gut 65 Prozent.

Ölpreis belastet

Der hohe Ölpreis belastet nach Ansicht der Konjunkturexperten die Inlandsnachfrage in Deutschland, da er Kaufkraft abschöpft. Dabei wäre ein Anspringen der Binnenkonjunktur für nachhaltiges Wachstum dringend erforderlich.

Auch in Österreich könnte ein Ölpreis, der über 50 Dollar bleibt, einen halben Prozentpunkt Wachstum kosten, meinen Wirtschaftsforschungsinstitut und das Institut für höhere Studien.

Für die Budgetpläne der Regierung bedeutet das, dass das unvermeidliche Sparpaket (um das Nulldefizit 2008 zu erreichen) genau in die Zeit fällt, in der das Wachstum wieder zurückgeht. Damit würde die Regierung den Abschwung verstärken - ähnlich wie bereits 2001 das "Nulldefizit" in eine Phase der Stagnation fiel und die damit verbundenen Sparmaßnahmen die Krise merkbar verstärkten. (Michael Moravec, Der Standard, Printausgabe, 14.10.2004)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.