
Mark E. Smith
Wann Mark E. Smith zuletzt mit Vitamin C in Berührung gekommen ist - man weiß es nicht. Der Song Mr Pharmacist stammt jedenfalls aus dem Jahr 1986, und wenn man in der Szene Wien einen Blick hinter das eng an den Mund gehaltene Mikrofon erhaschte, könnte das als Schätzung zutreffen: Zahnlos wie ein skorbutkranker Leichtmatrose und arrogant wie Torbergs Gott Kupfer stelzte Smith, der in bald 30 Jahren mit The Fall geschätzte 40 Alben veröffentlichte, über die Bühne.
Die aktuelle fünfköpfige Band sorgte neben ihm für die charakteristischen Begleitumstände seiner Auftritte: Repetitive Gitarrenriffs, hart wie der Zahnstein früherer Tage. Schlagzeugarbeit, monomanisch wie auf einer Sträflingsgaleere, dazu - quasi als einzig zugelassene Zierleiste - unwirsche Zwei-Finger-Keyboard-Melodien, die Smith an guten Tagen im Vorbeigehen selbst besorgt.
Smith, aus Manchester stammend, gilt als Ur-Punk der britischen Insel. Schon früh entwickelte das Arbeiterkind mit seiner Band eine Art Gegenboheme, die sich stur jedes modischen und trendigen Einflusses entzog. Über die Jahre etablierte der Lieblingsmusiker von BBC-Radiolegende John Peel so eine Authentizität, die in ihrer Mir-doch-egal-Haltung nur noch von Bob Dylan höchstpersönlich überboten wird.
In den 80ern entstanden Meilensteine wie This Nations Saving Grace oder Bend Sinister, aus dem das erwähnte Mr Pharmacist stammt. Der Einfluss der deutschen Band Can, vor allem deren Rhythmusarbeit, ist diesen Werken deutlich anzumerken. Ansonsten ließ Smith keine Einflüsse zu.
Oder nur selten: Auf seine Art, also mit einem PH-Wert, der permanent im sauren Bereich ist, nahm er die sich verändernde Manchester-Szene Ende der 80er-Jahre zur Kenntnis und veröffentlichte im Windschatten der Rave-Bewegung Meisterwerke wie Hit The North, Extricate oder Shift-Work. Alben, die mit zum Besten dieser "Madchester" genannten Epoche zählen.
Nölen mit "Biff"
Nachdem Smith in den 90ern trotz guten Arbeiten im Schatten angesagterer Stile vor allem physische Selbstdemontage betrieben hat, erlebt er seit einiger Zeit eine Renaissance. Tatsächlich sah man The Fall lange nicht in so exzellenter Form wie am vergangenen Dienstag. Ein dominant gespielter Bass verlieh Smith' nölendem Sprechgesang zusätzlich Biss, besser: "Biff".
Jener Nachdruck, mit dem er Open The Boxoctosis#2, Montain Energei oder das für Fall'sche Verhältnisse fast lieblich anmutenden Janet, Johnny + James vom aktuellen Album The Real New Fall LP absonderte. Der hypnotische Sog, den die Band dabei entwickelte und der in einer sich zu wilder Intensität anwachsenden letzten, leider unbekannten Nummer vor dem Zugabenblock steigerte, war die eigentliche Show.
Eine Show mit einem dazu nicht willigen Frontmann. Einem, den nichts mehr anzuekeln scheint als das Posing im Pop. Smith ist dazu der Gegenentwurf. Der umbarmherzigste, den man sich vorstellen kann. Optisch die Schnittmenge aus E.T.s Mutter und dem jungen Johnny Cash, weiß er, dass nur bei bedingungsloser Konzentration der kreativen Energie auf die eigentliche Kunst solche entstehen kann. Alles andere ist Zeitverschwendung und Kinderkram. Dagegen ist Mark E. Smith ein lebendes Mahnmal.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2004)
Zehn Jahre nach ihrem letzten Album kehrt nun die britisch-nigerianische Soulpop-Göttin der 1980er-Jahre zurück
Live-Präsentation des Labels Comfort Zone im Rhiz und Chris Cacavas im Chelsea, beides am Lerchenfeldergürtel in Wien
Die Finalrunde findet am 12. Februar im Rabenhoftheater statt - Zehn Finalisten bewegen siche zwischen "Arbeitsamt" und "Lokalverbot"
Michael Schade und Thomas Quasthoff im Wiener Musikverein
Dirigent Stéphane Denève kommt mit seinem Royal Scottish National Orchestra nach Wien - Ein Gespräch
Norwegische Jazzer kennen keine Angst vor Grenzüberschreitungen: So auch die 1970 in Oslo geborene Rebekka Bakken
Das US-amerikanische Multitalent Henry Rollins trat am Wochenende in Wien als Spoken-Word-Artist auf - Im STANDARD-Interview
Alle Tickets für das Finale des Songcontest am 29. Mai in Oslo sind bereits vergeben
Es gibt bereits 2.401 Sterne zwischen dem Hollywood Boulevard and der Vine Street - Mit Video
Start erst im Herbst - wegen Rückenverletzung
Saxophonist und Bandleader war Schlüsselfigur der britischen Szene - mit weltweiter Bekanntheit dank seiner Titelmelodie von "Mit Schirm, Charme und Melone"
Rahmenthema "Failed Revolutions"
Joshua Redman emanzipiert sich vom klassischen Jazz - Mit James Farm gastiert er am Montag im Wiener Konzerthaus: cooles Interplay, lockere Grooves
Les Musiciens du Louvre-Grenoble und die Philharmoniker in Salzburg
Aus Anlass der Olympischen Spiele in Vancouver: ein kleiner Rundgang zwischen Schrecken, erklecklicher Vielfalt und singulärer Pracht
Milliardenverluste bei britischem Traditions-Musikverlag
Zwei Männer in Anzügen, drei Gitarren. Mineralwasser und viel Text. Vor allem zwischen den Liedern. Die US-amerikanischen Songwriter John Hiatt und Lyle Lovett gastierten im Wiener Wuk
100 Künstler sind an der Benefiz-Aktion für die Erdbebenopfer von Haiti beteiligt
James Blood Ulmer gab am Montag im Porgy & Bess sein Geburtstagskonzert
Alter Schl8hof Wels - Er stand an der Wiege von Jazz, Rock und Soul und hat bis heute als Vater aller Popularmusik nichts an Strahlkraft verloren
Es gibt Alternativstandort
Neues von Velojet, Fehlfarben, den Magnetic Fields, Neoangin und - huch! - auch wieder von Shakespears Sister
ein paar real-videos von 'the fall' im april, knitting hall NYC:
http://punkcast.com/431/index.html
ein geniales konzert, in dessen verlauf smith im "korsett" einer hochdisziplinierten band zur höchstform auflief. hat wer von den fall-spezialistInnen eine setlist? vor allem die vierte oder fünfte nummer (repetitives gitarrenriff, supereingängig, smith im bühnenhingergrund) hats mir angetan
Korrekt ist folgende:
Bo Doodak
Boxoctosis
Clasp Hands
Sparta FC
Mad Mock Goth
Wron Place Right Time/I Can Hear the Grass Grow
Mr Pharmacist
Mountain Energei
What about Us
Janet + Johnny
Green Eyed Loco-Man
Contraflow
Blindness
Touch Sensitive
White Lightning
Mehr Videos siehe http://www.thefall.da.ru/ oder http://www.fall-videos.uni.cc/
Die letzte "unbekannte" Nummer vor der Zugabe heißt "Blindness" und wird auf dem neuen Album drauf sein, das am 1. November erscheint. Wurde außerdem schon bei der letzten Peel Session gespielt und gehört neben der ebenso neuen Nummer "Clasp Hands" (das war beim Konzert die mit dem frenetischen Applaus) zum Genialsten, was die Band derzeit zu bieten hat.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.