Trauben auf Wanderschaft

14. Dezember 2004, 12:11
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Dass softwareunterstützte Logistik auch im Weinbau Platz hat, beweist ein Winzerkeller im Burgenland

An diesem Freitag stehen ausnahmsweise mehr als die üblichen drei bis vier Traktoren vor der Traubenübernahmestelle des Genossenschaftsgebäudes im burgenländischen Andau. Der Zeitdruck war besonders groß, da für den nächsten Tag Schlechtwetter angekündigt wurde. Und "weil die Trauben derzeit genau den erwünschten Zustand haben, wollen wir so viel wie möglich noch vor dem Regen unter Dach und Fach bringen", sagt Wolfgang Peck, Geschäftsführer von Zantho, einem Direktvermarktungsprojekt, das die Winzerkellerei Andau seit dem Jahrgang 2001 mit Josef Umathum, Winzer in Frauenkirchen, betreibt.

220 Winzer im Verbund

Zwischen 300.000 bis 400.000 Kilogramm Trauben von insgesamt 220 Winzerkeller-Mitgliedern werden hier im täglichen Durchschnitt angeliefert. 70 der 220 Weinbauern produzieren Material für die "Zantho"-Linie, deren Trauben vom "klassischen Winzerkeller-Wein" getrennt weiterverarbeitet werden. "Wobei natürlich nicht alle gleichzeitig kommen", da sich alleine aus Sorte und Lagen - manche sind früher reif, andere später - eine "natürliche Reihenfolge" ergebe.

Peck und seine Mitarbeiter sind speziell in der Endphase der Vegetationsperiode in den Weingärten der Zantho-Winzer unterwegs, um die Reifegradationen "zu erkosten", was auch den Erntezeitpunkt bestimmt. Etwa 48 Stunden vorher wird ein Winzer von der Geschäftsführung verständigt, wann er die Trauben abliefern soll, eine notwendige Einteilung, um die rasche Verarbeitung, eine der Grundlagen für gute Weinqualität, zu sichern.

Der PC überwacht...

Die gesamte Prozedur der Übernahme wird per PC überwacht. Jede einzelne Stufe ist auf dem Bildschirm dargestellt, sämtliche Behandlungsschritte werden dokumentiert. Die Software, "ein Basic-Programm aus Deutschland, das wir hier für uns erweitert und adaptiert haben", zeigt mittels Farbcode genau an, wo sich das Lesegut befindet. An jeder Station sind die notwendigen Parameter per Knopfdruck aufrufbar.

Die Trauben werden vom Lesewagen in die Wanne der Übernahmeanlage gekippt und sofort über eine Spindel in den Entrapper befördert, wo die Beeren vom Stiel abgelöst werden. Die Maische, angequetschte Trauben mit Beerenhäuten und Kernen, wird dann per Leitung in die Gärtanks befördert. Dazwischen liegen viele Kontrollen: Gewicht, Zuckergradation als Grundparameter, später die Temperatur in den Gärtanks, wo auch auf einen Blick zu sehen ist, ob gerade aufgeheizt oder heruntergekühlt wird, und geprüft werden auch sämtliche Beigaben wie z.B. Schwefel (gegen Oxidation).

...der Mensch korrigiert

Der erste Vorschlag, für welche der insgesamt neun Qualitätsstufen das Lesegut geeignet ist, kommt elektronisch. "Der Kellermeister entscheidet aufgrund der Verkostung und seiner Erfahrung, ob dieser Vorschlag realistisch ist", so Peck. "Manchmal muss der Mensch nachkorrigieren." (Luzia Schrampf, DER STANDARD Printausgabe, 14.10.2004)

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