Israel führt Einsturzgefahr bei zu hohem Besucheransturm während Ramadan als Grund an - Islamische Verwaltung sieht darin politische Entscheidung
Jerusalem - Während des Ramadans wollen die israelischen
Behörden den Zugang zum Tempelberg für Moslems begrenzen. Weil ein
Gebäudeteil beim üblichen Besucheransturm einzustürzen drohe, würden
nur 60.000 Pilger auf das Gelände gelassen, teilte das
Polizeiministerium am Mittwoch mit. Normalerweise kommen während des
Ramadan Hunderttausende Moslems nach Jerusalem, um an der
Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom zu beten. Der Fastenmonat beginnt
am Donnerstag oder Freitag, je nachdem, wann der Mond sichtbar wird.
Die islamische Stiftung, die für die Verwaltung des Geländes
verantwortlich ist, wies die Besucherbegrenzung zurück. "Wenn die
Israelis die Gläubigen abhalten wollen, ist das ihre Politik. Dann
sind sie für die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft
zuständig", sagte Stiftungsdirektor Adnan Husseini. Er bestritt, dass
ein Teil der historischen Gemäuer einstürzen könnte. Der israelische
Polizeiminister Gideon Esra gab der Stiftung bis Freitag Zeit, die
Anordnung umzusetzen. "Sonst sehen wir eine große Gefahr, das können
wir nicht zulassen."
Tempelberg sowohl jüdisches als auch moslemisches Heiligtum
Der Tempelberg ist für Juden wie für Moslems heilig. Die so
genannte Klagemauer ist ein Rest der westlichen Stützmauer des von
den Römern zerstörten Tempels aus der Zeit von König Herodes (73 bis
4 vorchristlicher Zeitrechnung).
Für die Moslems ist der Tempelberg das dritte große Heiligtum nach
Mekka und Medina. Das 23.000 Quadratmeter große Areal wird von den
Moslems "Al-Haram al-Sharif" genannt, "Heiligtum des Propheten". Hier
befinden sich der ab 638 vom Kalifen Omar gebaute Felsendom sowie die
Al-Aksa-Moschee. Nach islamischer Überlieferung stieg dort 632 n.Chr.
der Prophet Mohammed auf seinem Pferd "Burak" (Blitz) in den Himmel
auf.
Als die Israelis im Sechs-Tage-Krieg 1967 den zu Jordanien
gehörenden Ostteil Jerusalems eroberten und später annektierten,
überließen sie den Moslems die Verwaltung ihrer heiligen Stätten.
Offiziell wird der Tempelberg von der islamischen Waqf-Behörde
verwaltet, die Gehälter begleicht Jordanien. 1994 hatte Amman die
Waqf-Verwaltung an die Palästinensische Nationalbehörde (PNA)
abgetreten. (APA/AP)