Tempelberg-Zugang für Moslems soll eingeschränkt werden

Redaktion, 14. Oktober 2004 14:12

Israel führt Einsturzgefahr bei zu hohem Besucheransturm während Ramadan als Grund an - Islamische Verwaltung sieht darin politische Entscheidung

Jerusalem - Während des Ramadans wollen die israelischen Behörden den Zugang zum Tempelberg für Moslems begrenzen. Weil ein Gebäudeteil beim üblichen Besucheransturm einzustürzen drohe, würden nur 60.000 Pilger auf das Gelände gelassen, teilte das Polizeiministerium am Mittwoch mit. Normalerweise kommen während des Ramadan Hunderttausende Moslems nach Jerusalem, um an der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom zu beten. Der Fastenmonat beginnt am Donnerstag oder Freitag, je nachdem, wann der Mond sichtbar wird.

Die islamische Stiftung, die für die Verwaltung des Geländes verantwortlich ist, wies die Besucherbegrenzung zurück. "Wenn die Israelis die Gläubigen abhalten wollen, ist das ihre Politik. Dann sind sie für die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft zuständig", sagte Stiftungsdirektor Adnan Husseini. Er bestritt, dass ein Teil der historischen Gemäuer einstürzen könnte. Der israelische Polizeiminister Gideon Esra gab der Stiftung bis Freitag Zeit, die Anordnung umzusetzen. "Sonst sehen wir eine große Gefahr, das können wir nicht zulassen."

Tempelberg sowohl jüdisches als auch moslemisches Heiligtum

Der Tempelberg ist für Juden wie für Moslems heilig. Die so genannte Klagemauer ist ein Rest der westlichen Stützmauer des von den Römern zerstörten Tempels aus der Zeit von König Herodes (73 bis 4 vorchristlicher Zeitrechnung).

Für die Moslems ist der Tempelberg das dritte große Heiligtum nach Mekka und Medina. Das 23.000 Quadratmeter große Areal wird von den Moslems "Al-Haram al-Sharif" genannt, "Heiligtum des Propheten". Hier befinden sich der ab 638 vom Kalifen Omar gebaute Felsendom sowie die Al-Aksa-Moschee. Nach islamischer Überlieferung stieg dort 632 n.Chr. der Prophet Mohammed auf seinem Pferd "Burak" (Blitz) in den Himmel auf.

Als die Israelis im Sechs-Tage-Krieg 1967 den zu Jordanien gehörenden Ostteil Jerusalems eroberten und später annektierten, überließen sie den Moslems die Verwaltung ihrer heiligen Stätten. Offiziell wird der Tempelberg von der islamischen Waqf-Behörde verwaltet, die Gehälter begleicht Jordanien. 1994 hatte Amman die Waqf-Verwaltung an die Palästinensische Nationalbehörde (PNA) abgetreten. (APA/AP)

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