Neurodermitis geht unter die Haut

20. Oktober 2004, 18:48
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Umfrage des Neuroder­mi­tis­forums zeigt: Pa­tienten sind bei der Klei­derwahl, in Partner­schaft und Berufsleben eingeschränkt

Wien – Neurodermitis geht auch unter die Haut: Die Betroffenen leiden nicht allein an entzündeter Haut, Schlafstörungen und langwierigen medikamentösen Behandlungen, auch die Psyche wird durch die Krankheit angekratzt. Eine Umfrage des Neurodermitisforums, die am Mittwoch in Wien präsentiert wurde, zeigte, dass die Erkrankten oft mangelndes Selbstwertgefühl, Schamgefühl bis hin zu Problemen in der Partnerschaft und im Berufsleben hinnehmen müssen.

Die Untersuchung zeigte, dass fast 70 Prozent der Patienten an einer Beeinträchtigung der Lebensqualität leiden, so die für die Umfrage verantwortliche Dr. Martina Esberger. Viele der Befragten beklagten – neben dem schmerzhaften Juckreiz – auch den hohen Zeitaufwand für die Behandlung, und dass sie Einschränkungen hinsichtlich der Kleiderwahl beziehungsweise beim Kleiderkauf hinnehmen müssten.

Weiters ging aus der Umfrage hervor, dass sich Kinder durch die Krankheit in ihrem Alltag weniger einschränken lassen als Erwachsene. Man könne jedoch nicht sagen, dass Kinder weniger Symptome haben als erwachsene Patienten, meinte etwa Werner Aberer von der Universitätsklinik für Dermatologie in Graz. Sie gingen mit der Erkrankung nur anders um.

Schlechte Stimmung in der Familie

Anders sehen das hingegen die Eltern der kleinen Patienten. 70 Prozent berichteten von einer "sehr oft" oder "manchmal" gedämpften Stimmung in der Familie und 63 Prozent gaben an, zumindest zeitweise von emotionalen Problemen wie Depression, schlechtem Gewissen oder Frust betroffen zu sein.

Die Ärzte, die die Krankheit bisher nicht ausheilen können, müssten weiter an der Optimierung einer Therapie arbeiten, kommentierte Aberer die Ergebnisse der Umfrage. "Mit den neuen kortisonfreien Substanzen sind wir auf dem richtigen Weg", so der Grazer Arzt. Bisher konnte bei extremen Schüben nur Kortison angewandt werden, das sich allerdings auf Grund seiner gesundheitsgefährdenden Nebenwirkungen bei Patienten nicht gerade großer Beliebtheit erfreut.

Seit vergangenem Jahr ist es mit Hilfe des Zytokin-Inhibitor Pimecrolimus erstmals möglich, die akuten Symptome der Neurodermitis zu kontrollieren und Krankheitsschübe zu verhindern, ohne Kortison verwenden zu müssen. Aberer bezeichnete das neue Medikament als "Meilenstein und Quantensprung" in der Neurodermitis-Behandlung. (APA)

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    derstandard.at
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