Auf der Suche nach einer "innovativen Öffentlichkeit"

14. Dezember 2004, 19:41
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Cohn-Bendit: Debatten "langweilig und vorhersehbar" - Klausnitzer: "Mentales Problem" der Medienpolitik

Das Motto "Innovation statt Resignation" haben sich die 11. Österreichischen Medientage heuer auf die Fahnen geheftet. Eröffnungsredner Daniel Cohn-Bendit schrieb den anwesenden Vertretern der Medienbranche zum Auftakt am Mittwoch gleich deutliche Worte ins Stammbuch: Er forderte eine "innovative Öffentlichkeit", denn derzeit seien mediale Debatten "langweilig und vorhersehbar".

Diskussionen, in denen die ewig gleichen Positionen vertreten würden, seien "eine intellektuelle Zumutung", so der Grüne EU-Abgeordnete. "Bei den Medientagen könnte man die Frage stellen: Warum sind Medienunternehmen so besessen davon, Medienkonzentration zu produzieren?" Unter dem "Hang zur Konzentration" leide die Qualität, sagte Cohn-Bendit.

Medienkonzentration eine "schwer zu überwindende Hürde"

Auf das in Österreich leidige Thema Medienkonzentration ging auch Medienstaatssekretär Franz Morak (V) ein: Sie sei eine "schwer zu überwindende Hürde" für die Gründung neuer Medien, allerdings auch eine "Gratwanderung", da auf dem kleinen Markt Österreich eine gewisse "Bündelung" von Interessen notwendig sei. Morak verwies auf positive medienpolitische Impulse für die österreichische "Contentwirtschaft" und nannte als aktuelles Beispiel etwa den Entwurf für ein neues Filmförderungsgesetz sowie die Arbeit an einem "Musikfonds, der junge Produktionen im Bereich der Popularmusik" fördern soll.

Allerdings müssten sich die Rundfunkveranstalter und vor allem ORF ihrer "besonderen Verpflichtung" bewusst sein, betonte Morak. Für den ORF bedürfe es darüber hinaus intern "auch einer laufenden Evaluierung", wie viel Werbung und Sonderwerbeformen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dem Publikum "zumutbar" sind.

"Aufwertung der Kommunikationswirtschaft"

Verleger Hans-Jörgen Manstein, dessen Verlagsgruppe die Medientage gemeinsam mit der News-Gruppe veranstaltet, forderte indes eine "Aufwertung der Kommunikationswirtschaft innerhalb der Regierungsarbeit". Wenn auch "medienpolitisch viel Positives" geschehen sei, dürfe die Medienbranche kein "Regierungsappendix" sein. "Es wäre höchste Zeit, ein eigenes Mediensekretariat zu schaffen", so Manstein. Was Morak damit quittierte, dass "die Medien bei mir gut aufgehoben sind".

News-Generalgeschäftsführer Rudi Klausnitzer sah ebenfalls die Politik gefordert, denn Österreich sei, etwa mit einer "entgleisten Presseförderung", auf dem Weg zu einem "medienpolitischen Entwicklungsland". Die Politik zeige großes Verständnis für den ORF, habe aber mitunter ein "mentales Problem mit privatwirtschaftlich organisierten Medien".

Nettig: Vorbild "Medienhauptstadt München"

Ein Verhalten, das zumindest Walter Nettig, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer (WKW), nicht an den Tag legen wollte. Er strich die Bedeutung der Medien für den Wirtschaftsstandort Wien hervor, hat aber ein großes Vorbild, das es noch zu erreichen gelte: die "Medienhauptstadt München". Ein wichtiger Schritt sei die Abschaffung der Werbeabgabe, was auch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) bei den Medientagen im Vorjahr gefordert hatte. Häupl war allerdings am Mittwoch verhindert - wie sich das Thema Werbesteuer, die zu einem großen Teil den Bundesländern zukommt, bei den aktuellen Finanzausgleichsverhandlungen entwickelt, konnte er daher nicht berichten. (APA)

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