Kolumbien: Massenvergewaltigungen im Bürgerkrieg

6. Dezember 2004, 13:14
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Amnesty International prangert alle Konfliktparteien an - Sexuelle Gewalt im Vormarsch

Bogota - Im kolumbianischen Bürgerkrieg werden Frauen einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) zufolge von allen Konfliktparteien systematisch vergewaltigt. Mädchen und Frauen würden vergewaltigt, missbraucht oder gar getötet, weil sie in den Augen von Soldaten, rechten Paramilitärs oder linken Guerilleros als leichtes Ziel gelten. Auf diese Weise sollten GegnerInnen erniedrigt, Terror und Angst verbreitet, Familien vertrieben oder Rache genommen werden, heißt es in dem am Mittwoch in Bogota veröffentlichten Bericht.

Familiäre Konsequenzen

Darin wird den Behörden des südamerikanischen Landes Untätigkeit vorgeworfen. Trotz wiederholter Empfehlungen der Vereinten Nationen habe die Regierung bisher wenig gegen die Menschenrechtsverletzungen getan. "Die Opfer werden immer wieder aufs Neue bestraft. Die Frauen müssen nicht nur den sexuellen Missbrauch ertragen, sondern werden danach oft von der Familie verstoßen, von der Justiz verhöhnt. Sie erhalten keine medizinische Versorgung und können nur selten damit rechnen, dass die Täter vor Gericht gestellt werden", sagte AI-Experte Jörg Lehnert.

Das Schweigen zu brechen und betroffenen Frauen zu helfen, sei sehr schwierig. Frauenrechtsorganisationen würden massiv behindert. Mitglieder solcher Initiativen würden von den bewaffneten Gruppen nicht selten gezielt entführt oder selbst vergewaltigt. Ehemänner dieser Frauen würden lächerlich gemacht, weil sie ihre Frauen angeblich nicht unter Kontrolle hätten. Alle Parteien in dem seit 40 Jahren andauernden Konflikt müssten sexuelle Gewalt unmissverständlich verurteilen und ihre Kampfeinheiten anweisen, Vergewaltigungen und andere Sexualverbrechen sofort zu stoppen, fordert AI. (APA/dpa)

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