Magna: Erste Risse im schön gemalten Clusterbild

26. Oktober 2004, 20:56
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Chrysler machte Graz schon einmal Sorgen - Magna streitet Krise ab und spricht von "Übersetzungsfehler" - Mit Infografik

Der Autocluster Styria in Graz mit seinen rund 200 kooperierenden Unternehmen wird vor Orts gerne als "steirische Antwort" auf die Globalisierung interpretiert. Solange der Cluster funktioniert, ein passendes Bild, das jetzt aber, nach den etwas verklausulierten Warnungen des DaimlerChrysler-Konzerns, Produktionen abzuziehen, Risse bekommen hat.

Man erinnert sich hier an der Mur daran, dass 2001 schon das damalige "Kultauto" PT Cruiser nach kurzem Gastspiel in Graz von Chrysler abgezogen und nach Toluca in Mexiko verlagert wurde.

Leichte Nervosität war erstmals im Jahr 2000 hochgekommen, als Gerüchte aufgetaucht waren, auch Graz könnte vom Sanierungskurs bei Chrysler, der nach dem Finanztroubles im Konzern notwendig wurde, betroffen sein. Es folgten aber heftige Dementis. Wie auch diesmal.

Interview mit Folgen

In einem Interview mit einem Topmagazin der Autobranche, Automotive News, sagte Chrysler-Chef Dieter Zetsche, es sei vereinbart, das nächste Modell des Jeep Grand Cherokee nach Auslaufen der aktuellen Verträge in Nordamerika zu produzieren. Und eben nicht mehr bei Magna-Steyr in Graz. Auch der nächste Chrysler Voyager könnte aus den USA kommen.

Magna-Konzernsprecher Andreas Rudas widersprach am Dienstag im STANDARD-Gespräch abermals heftig. Alles bleibe "beim Alten", es werde nichts nach Amerika verlegt, sei ihm vom Chrysler versichert worden. Die "ganze Aufregung" sei aufgrund "eines Übersetzungsfehlers" passiert.

Interpretationsfrage

Zetsche habe gemeint, die Produktion des Grand Jeep Cherokee werden nicht nach Amerika, sondern "von Amerika weg" verlagert. Die Passage im Interview ist freilich anders interpretierbar.

Frage: "Will the next generations be built in Europe?" Zetsche: "We have already decided to source the next Grand Cherokee from North America. A decision on the next Voyager has not been taken yet, but with the current dollar-euro rate, it could make more sense to concentrate production in North America." Bei nochmaliger Lektüre sagte Rudas, es sei zumindest "missverständlich".

Verliert Magna-Steyr tatsächlich die Chrysler-Produktionen, wäre nach heutigem Stand ein Drittel des Volumens weg. Rudas versichert zwar, es seien "genügend andere Projekte in der Pipeline", um Ausfälle aufzufangen, gegenwärtig sind es nur Saab-Cabrio, BMW X3, die Mercedes-E-Allrad, Mercedes G.

Aufregung um Eurofighter-Gegengeschäfte

Einige Aufregung brachte auch das Stichwort "Eurofighter-Gegengeschäfte" in die Debatte um einen möglichen Abzug der Jeep-Produktion. EADS hatte stets darauf gedrängt, die Jeep-Fertigung als Gegengeschäft für die Eurofighter anrechnen zu lassen.

Ingrid Nemec, Sprecherin des Wirtschaftsministers Martin Bartenstein, sagte dazu am Dienstag zum STANDARD: "Der Grand Cherokee hat nichts mit den Gegengeschäften zum Eurofighter zu tun." Dies hätten sowohl DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp wie auch der Wirtschaftsminister im Frühjahr 2003 festgestellt.

Magna scheint dennoch zweimal in der Gegengeschäftsliste des Ministeriums auf. Es gebe fünf Projekte, die einzurechnen sind, darunter etwa die Mercedes-Benz-Allradsysteme. (Walter Müller/DER STANDARD Printausgabe, 13.10.2004)

  • Infografik: Magna-International
    grafik: der standard

    Infografik: Magna-International

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