Versuche, die Wüste zu fassen

19. Oktober 2004, 14:28
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"Transferprojekt Sahara" im Project Space der Kunsthalle Wien am Karlsplatz

Wien - Im Rahmen einer Kunstexpedition, die vom Institut für Medienkunst/Kunst-und Wissenstransfer (Christian Reder) initiiert wurde, reisten Studierende der Universität für angewandte Kunst 21 Tage lang durch die afrikanische Wüste, um diesen "Unort" als Teil der globalisierten Welt und damit auch als kulturelle Transferzone wie jedes Meer zu begreifen.

Dass dieses ambitionierte Unternehmen kein leichtes Unterfangen war, thematisiert Eva Thebert in ihrer kurzen Videoarbeit Ein Esel zog in die Ferne ...: Aus einem fahrenden Auto gefilmt, ziehen die typischen Lehmhäuser viel zu schnell an den Betrachtern vorbei. Am Ende werden diese nicht mit einer neuen, aber mit einer bestechenden Einsicht konfrontiert: "Und ein Esel kam heim", so der lapidare Schluss ihres Reiseberichts.

Ein anderer Zugang wird in den fotografischen Arbeiten von Elfie Semotan, Ivo Kocherscheidt und Michael Höpfner ersichtlich. Für Elfie Semotan, die die Ausstellung auch kuratiert hat, stehen die idealen Lichtverhältnisse als Voraussetzung für ein gutes Bild im Vordergrund: "Hollywood liegt nicht zufällig in der Nähe einer Wüste, allerdings ist die Wüste schon so oft fotografiert worden (...) dass es nur noch um Nuancen gehen kann, um Persönliches."

Tatsächlich findet sich "Handschrift" in den Landschaftspanoramen: Während die Wüste im Licht von Semotans Aufnahmen als eine karge, aber durchaus kultivierte Gesteinslandschaft erscheint, werden die steinigen Gebilde in der Serie circumambulations von Michael Höpfner künstlich hervorgehoben. Seine Aufnahmen, die auch als Mondlandschaften durchgehen würden, bebildern - ganz anders als die Fotografien von Semotan - eher extraterrestrisches Gebiet.

Ivo Kocherscheidt nähert sich der "Transferzone Sahara" über "similiarities" und stellt einen formalen Vergleich zwischen architektonischen und natürlichen Wüsten- und Stadtstrukturen an. Ulrich Dertschei hat die europäischen Vorstellungen von "Wüste" in Form eines Werbeplakats gleich mitgenommen. Vor Ort an unterschiedlichen Stellen platziert, sind seine Eingriffe eine witzige Zusammenführung von Projektion und Wirklichkeit.

Grischinka Teufl und Tina van Duyne präsentierten eine immaterielle Gegenüberstellung der raum-zeitlichen Parallelwelten: Ausgerüstet mit GPS-Empfängern versuchten sie ihre Bewegungen vom Zentrum in die Peripherie - von Tripolis in die Zentralsahara bzw. vom Stephansdom nach Vösendorf - zu synchronisieren, um zumindest einen subjektiven Transfer zu erzielen.

Einen kunsthistorischen Zugang wählte Peter Kubelka, der sich in der Wüste auf die Suche nach den "Ursprüngen der Kunst" begab: Er zeigt eine Zusammenstellung europäischer und afrikanischer "objets trouvés", die er in seinem Katalogbeitrag ausführlich bespricht. ( DER STANDARD, Printausgabe vom 12.10.2004)

Von
Christa Benzer
  • Artikelbild
    kamel. copyright: iva kocherscheidt, libyen 2003
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