Ein F-Wort in gefühlsecht

19. Oktober 2004, 14:47
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Der US-Neo-Funk-Star Amp Fiddler begeisterte mit einer hochenergetischen Show im gut gefüllten Wiener Flex

Wien - Unspektakulär kam die Band auf die Bühne geschlurft, positionierte sich an den beiden Backgroundmikrofonen, dem hinteren Keyboard, nahm den Bass zur Hand und das Stockerl hinterm Schlagzeug in Beschlag. Dann muss jemand einen Schalter umgelegt haben. Den, auf dem unter "Danger!" und "High voltage" das Wort Funk steht. In feuerrot. Zack! Brutzel! Von null auf Funk!

Während sich zu einer hart geschlagenen Snare-Drum, ein paar unterstützenden Programmbeats und einem Knüppel-aus-dem-Sack-Bass ein Virus löste, das schon nach wenigen Sekunden das gut gefüllte Wiener Flex infiziert hatte, tänzelte Joseph "Amp" Fiddler auf die Bühne und nahm am zweiten Keyboard Platz, um von dort aus, versteckt hinter Sonnenbrillen, zuckende und vibrierende Stöße aus den Tasten seines im Bühnenzentrum aufgebauten Keyboards zu zaubern. An dieser Stelle war das erste "Holy shit" fällig. Eines von vielen an diesem Abend.

Mit seiner Mischung aus klassischem und zeitgenössischem Soul und Funk zählt der Detroiter Amp Fiddler zu den wichtigsten Vertretern der Neo-Soul-Generation. Künstler wie Frank McComb, Donnie oder auch das kanadische Bleichgesicht Remy Shand, die ein klassisches Genre aktuell deuten, ohne ihre wesenseigenen Merkmale zu negieren.

Fiddler, der in der Vergangenheit in George Clintons P-Funk-Band gespielt hat und ansonsten Künstlern wie den Brand New Heavies, Superstar Maxwell, Seal, Carl Craig, Money Mark, Prince, Primal Sream, Ramsey Lewis (!) oder House-Gott Kenny Dixon jr. alias Moodyman helfende Hand war, präsentiert auf seinem aktuellen Album Waltz Of A Ghetto Fly überwiegend Funk-Variationen.

Stücke, die in der Tradition von Stevie Wonder oder Shuggie Otis stehen, jedoch mit Merkmalen der Club-Kultur unterfüttert sind. Live gab es jedoch "pure funk". Traurig aktuelle Adaptionen wie War (What Is It Good For?) des im Vorjahr verstorbenen Edwin Starr, gingen in schweißtreibende Discostücke über, die Fiddlers charismatische Stimme ebenso beseelte wie jene der beiden Backgroundsängerinnen. Zwar gerieten manche Songs in der Euphorie der Darbietung ein wenig länglich.

In Zeiten, in denen das F-Wort in jedem Textildiskontladen inflationär als T-Shirt-Aufdruck in Verwendung ist, tat es aber gut, die tatsächliche Message hinter dem Etikett Funk wieder einmal tatsächlich zu spüren. Mehr als gut: "Holy . . ." (flu/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2004)

  • Der begnadete US-Funk-Impersonator Amp Fiddler begeisterte im Wiener Flex sein Publikum.
    foto: edel

    Der begnadete US-Funk-Impersonator Amp Fiddler begeisterte im Wiener Flex sein Publikum.

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