Nachfolger leiden an Untreue der Kunden

24. September 2007, 15:02
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Studie: Wer in ein bestehendes Unternehmen einsteigt, geht zwar nicht so schnell pleite wie ein Neugründer, zufrieden ist er aber trotzdem nicht sehr

Wien - Das pure Glück ist es offenbar nicht, das Akteure von Betriebsnachfolgen winkt. Weder sind Übernehmer von Betrieben "besonders zufrieden", noch sind ihnen die Kunden treu, noch entspringt ihr Engagement besonders hehrer Motivation: Fast der Hälfte von Betriebsübernehmern (47 Prozent) geht es ums Einkommen, einem Drittel (30,5 Prozent) fehlt schlicht die berufliche Alternative.

Ein wenig anders wird das erst, wenn die Übernahme über die Bühne ist. Da überflügelt die Freude an der Selbstständigkeit dann das ursprünglich treibende Motiv für die Betriebsübernahme, das Einkommen.

"Überraschend bis bedenklich"

Das sind die "überraschenden" bis "bedenklichen" Ergebnisse einer Studie zum Thema Betriebsnachfolge, die die österreichischen Volksbanken (ÖVAG) gemeinsam mit KPMG und Wirtschaftskammer bei der Wiener Agentur Jung & Nett in Auftrag gegeben haben.

Befragt wurden rund 500 Betroffene, im "Vorher-Nachher-Vergleich": solche, die "in den kommenden 18 Monaten an einer Betriebsübernahme interessiert sind" ( Zielgruppe eins) und solche "die in den letzten 18 Monaten einen Betrieb vollständig übernommen haben" (Zielgruppe zwei).

"Der erste Überraschungseffekt für uns war, dass Betriebsnachfolger wesentlich unzufriedener sind als Neugründer", so Agenturchef Peter Tikal zum Succus der Ergebnisse. In Schulnoten ausgedrückt: 2,56 für die Zufriedenheit bei Zielgruppe eins; 3,5 bei Zielgruppe zwei.

Zeitmangel rächt sich

Ein Grund für dieses laut Tikal "Besorgnis erregende" Zeugnis liegt in mangelnder Vorbereitung. Ein Fünftel der Einsteiger nimmt sich "höchstens sechs Monate" Zeit, nicht einmal ein Drittel der Befragten gönnt sich und den Beratern (so vorhanden) ein Jahr Vorbereitungszeit.

"Das ist zu kurz, auch die Banken brauchen Zeit, um sich mit dem Betrieb und seinem Übernehmer vertraut zu machen", sagte ÖVAG-Chef Manfred Kunert bei der Studienpräsentation am Dienstag in Wien.

Informationsmangel

Größtes Problem nach der Übernahme sind übrigens nicht fehlende Managerqualitäten, sondern Informationsmangel und Fehleinschätzung von Kunden und Lieferanten. Letztere gehen dem Übernehmer eines Betriebs ruck, zuck verloren, hängen sozusagen mehr am Unternehmer als am Unternehmen.

Ein massives Problem, das "im Vorfeld komplett unterschätzt wird", so Tikal. Die Gegenmittel: umfassende Marktanalysen vor dem Einstieg und möglichst offene Information durch jenen, der das Unternehmen weitergibt.

Es gibt freilich auch eine gute Nachricht für jene, die in einen der geschätzten rund 50.000 Betriebe einsteigen wollen, die in den kommenden zehn Jahren auf den österreichischen Markt kommen: Betriebsnachfolgeunternehmen leben länger als frisch gegründete.

"Nur" vier bis fünf Prozent scheitern in den ersten fünf Jahren; bei Neugründungen liegt die Pleitegefahr bis ums Zehnfache höher. (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 13.10.2004)

  • Nachfolger für Unternehmen sind oft Mangelware. Sind dann Betriebsübernehmer gefunden, so setzt es für die nicht nur feine Kost, sondern auch grobe Probleme.
    foto: der standard/semotan

    Nachfolger für Unternehmen sind oft Mangelware. Sind dann Betriebsübernehmer gefunden, so setzt es für die nicht nur feine Kost, sondern auch grobe Probleme.

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