Das böse Fett, weggesteuert

19. Oktober 2004, 18:36
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Auch eine interessante Idee, der Fettleibigkeit beizukommen: In Irland wird eine Steuer auf fette Nahrungsmittel überlegt

Okay, leicht haben’s die Iren momentan gerade wirklich nicht: Beim Rauchverbot in Pubs und Restaurants nahmen sie eine Vorreiterrolle in Europa ein (an und für sich begrüßenswert), dann strich man ihnen auch noch die Happy Hour (die in Irland allerdings andere gesellschaftliche Ausmaße anzunehmen pflegt, als man es sich in Österreich vorstellen kann), und jetzt konfrontierte man die Kelten auch noch mit der Überlegung des irischen Gesundheitsministeriums, besonders fette Nahrungsmittel womöglich mittels Steuer ein bisschen unattraktiver zu machen. Der Hintergrund: In den letzten zehn Jahren nahm die Zahl der fettleibigen und übergewichtigen Iren um 70% zu, jeder sechste Ire und jede sechste Irin gelten laut Statistik als fett, dass das Gesundheitsministerium da einen Rappel kriegt, ist irgendwie einzusehen.

Tatsächlich wurde die Idee in Österreich auch schon einmal ventiliert, wie ich unlängst in einem Gespräch mit einen Primar-Arzt erfuhr, schließlich sei es zu einem großen Prozentsatz die fettreiche Ernährung, die zum fatalen Quartett Diabetes, Übergewicht, hohe Blutfettwerte und hoher Blutdruck führen würden. Das Problem dabei: Fette Ernährung ist nicht nur in Österreich gemeinhin auch billige Ernährung, und wen man mit steuerlich bedingten Preiserhöhungen von Fett daher treffen würde, wären die einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten. Politisch wäre das nie im Leben durchzubringen, abgesehen davon, dass sowohl pflanzliches als auch tierisches Fett von Agrarunternehmen hergestellt werden, und eine OeVP wahrscheinlich eher die Freigabe vom Konsum leichter Drogen oder die Homo-Ehe beschließt, denn eine steuerliche Benachteiligung der Bauern.

Andererseits ist auch die Frage, ob eine Besteuerung von Fett irgendetwas bewirken würde. Beim Tabak wird ja auch besteuert, was das Zeug hält, gesellschaftlich auch einigermaßen akzeptiert, da ja kein vernünftiger Mensch die gesundheitlichen Schäden von Tabakkonsum bezweifelt. Dennoch wird eher mehr denn weniger geraucht, sinkt das Alter der Jugendlichen, in dem sie sich in die Abhängigkeit begeben. Jetzt würde ich allerdings vermuten, dass sich die Belastung mit Steuern qualitativ auf Zigaretten vielleicht nicht unbedingt ausgewirkt hat, und bei fetter Nahrung ist das sehr wohl zu befürchten, wie ich meine: Um einen einigermaßen akzeptierten Preis halten zu können, würden die zwei großen Supermarktketten – und die stellen in Österreich ja nun mal den öffentlichen Markt dar – wahrscheinlich die Preise der Hersteller noch mehr drücken, was in weiterer Folge zu noch mehr Einsatz von Wachstumsförderern und ähnlichen ungustiösen Begleiterscheinungen von Power-Viehzucht führen würde.

Mit den Dumpingpreisen von diversen Schnitzelhäusern für ihre im Fritter hergestellten Panier-Orgien wäre es dann freilich vorbei, wie schön, dafür würden sie das Frittierfett aber noch seltener wechseln – weniger gut. Nur mehr Trocken-Pommes frites statt echten, schlimme Vorstellung, Butterersatz statt Butter, guter Käse noch teurer und Lardo di Collonata kommt überhaupt auf den Index. Au weia. Was aber natürlich nicht so schlecht wäre: In Gemüsecremesuppen wäre wieder ein bisschen mehr Gemüse und ein bisschen weniger Creme.

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