Fast ausschließlich Frauen von familiärer Gewalt betroffen

6. Dezember 2004, 13:14
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Kärntner Interventionsstelle betreute in fünf Jahren 1.673 Opfer - Mehr als die Hälfte der Täter haben Alkoholprobleme

Klagenfurt - Vor fünf Jahren wurde die Kärntner Interventionsstelle gegen familiäre Gewalt eingerichtet. Wie die Leiterin Roswitha Bucher am Dienstag mitteilte, wurden seither 1.673 Opfer betreut, davon waren 96 Prozent Frauen. Wenn Männer zu Opfern werden, dann fast ausschließlich durch Geschlechtsgenossen, lediglich in 18 Fällen wurden Männer von Frauen misshandelt.

Risiko Ex-Partner

"98 Prozent der Täter waren Männer" sagte Bucher. Insgesamt 73 Prozent der innerfamiliären Gewalttaten gingen von Ehemännern bzw. Lebensgefährten aus. In zwölf Prozent der Fälle waren es Ex-Männer, für fünf Prozent der Gewalttaten waren erwachsene Söhne und für 0,7 Prozent erwachsene Töchter verantwortlich.

Sicherheitsplan

Die Mitarbeiterinnen der Interventionsstelle erarbeiteten mit den Betroffenen eine Gefährlichkeitseinschätzung, einen Sicherheitsplan, aber auch einen möglichen Weg für den Ausstieg aus der mit Gewalt belasteten Beziehung. 343 Opfer familiärer Gewalt beantragten mit Hilfe der Interventionsstelle eine Einstweilige Verfügung, in der eine Wegweisung - entweder für drei Monate oder für die Dauer des Scheidungsverfahrens - angeordnet wurde.

Wegweisungen

Die Interventionsstelle kooperiert auch mit Polizei und Gendarmerie. So werden ihnen die Daten jener Einsätze übermittelt, bei denen die Beamten das zehntägige Betretungsverbot bzw. eine gleich lange Wegweisung ausgesprochen haben. In den vergangenen fünf Jahren wurde dieses Mittel von der Exekutive insgesamt 944 Mal angewendet. Am öftesten griffen die Gendarmeriebeamten im Bezirk Wolfsberg zu diesem Mittel, nämlich 144 Mal, im Bezirk Völkermarkt wurden 131 Wegweisungen registriert, im Bezirk Hermagor waren es hingegen nur zehn. Die Polizei verfügte in Klagenfurt 167 Wegweisungen, in Villach 90.

Psychosoziale und rechtliche Beratung

Wenn ein Betretungsverbot ausgesprochen und an die Interventionsstelle gemeldet wird, nehmen die Angestellten Kontakt mit den Opfern auf und bieten ihnen umfangreiche psychosoziale und rechtliche Beratung an. Diese werde in den meisten Fällen auch gerne angenommen, erklärt Bucher.

Alkoholikerrate hoch

Betrachtet man die Daten der bearbeiteten Fälle genauer, so zeigt sich, dass in mehr als der Hälfte der Fälle die Täter Alkoholprobleme hatten, nämlich 56 Prozent. Am häufigsten ist innerfamiliäre Gewalt bei Tätern zwischen 31 und 50 Jahren. Diese Altersgruppe stellt 1.094 Täter, immerhin 187 waren älter als 60 Jahre. Sehr viele Männer nehmen auch keine Rücksicht auf die Kinder, in insgesamt 717 Fällen wurde im Beisein der Kinder Gewalt gegen die Mutter ausgeübt. (APA)

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