Pflegegeld: Zwei statt 16 Prozent Erhöhung

14. Oktober 2004, 16:52
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Für 290.000 Bezieher gibt es erste Anpassung seit 1996 - mit Infografik

Wien - Die Zahl der Hochbetagten steigt ständig und mit ihr der Pflegebedarf: Während derzeit 140.000 Menschen über 85 in Österreich leben, werden es 2050 dreimal so viele sein. Aber das Pflegegeld, mit dem Pflegebedürftige ihre Betreuung bezahlen sollen, ist seit 1996 nicht mehr valorisiert worden. Nun hat Sozialminister Herbert Haupt eine Erhöhung von zwei Prozent für das kommende Jahr bekannt gegeben - was selbst in seiner eigenen Partei hoch umstritten ist.

Zwar jubelte FPÖ-Arbeitnehmervertreter Max Walch, dass der Montag "ein großer Tag für alle Pflegegeldbezieher" gewesen sei - FPÖ-Seniorenvertreter Karl Wimleitner blieb aber ostentativ einer mit Haupt und ÖVP-Seniorenvertreter Stefan Knafl angekündigten Pressekonferenz fern: "Wie immer" seien die freiheitlichen Seniorenvertreter nicht eingebunden worden; und die Erhöhung sei mit zwei Prozent viel zu gering. Seit 1996 hat das Pflegegeld einen Kaufkraftverlust von insgesamt 16 Prozent erlitten.

Die von Haupt verkündete Erhöhung macht in der Pflegegeldstufe eins rund drei Euro im Monat aus, für die höchste Stufe sieben sind es rund 30 Euro.

Auch der Sozialdemokrat Karl Blecha, Präsident des Pensionistenverbandes, verweist darauf, dass zwei Prozent Erhöhung kaum die Inflation eines Jahres (2,4 Prozent im August) wettmachen.

Eine echte Entlastung wären Verbesserungen für pflegende Angehörige, fordert Christoph Klein, Bereichsleiter Soziales in der Arbeiterkammer. Wer von Vollzeit auf Teilzeit wechselt, um einen Angehörigen zu pflegen, könne den Pensionsverlust nicht wettmachen, rechnet Klein. Er sieht darin eine Benachteiligung für Frauen, die die Hauptlast der Pflege tragen.

Selbstversicherung

Die begünstigte Selbstversicherung, bei der der Staat die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung übernimmt, steht derzeit nur denen zu, die ihren Job aufgeben - die AK will, dass sie auch bei reduzierter Arbeitszeit (oder wenn vorher gar keine eigene Sozialversicherung bestanden hat) möglich sein soll. ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon begrüßte indessen die Ankündigung Haupts. Doch mit der Anhebung allein sei es nicht getan, das zeige die demografische Entwicklung. (sen, APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2004)

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