Schnupfenzeit bei der Nordostumfahrung

13. Oktober 2004, 22:02
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Nach einem ersten empörten Fieberschub reagiert die Stadt Wien auf den Brückenvorstoß der Straßenbauer deutlich verkühlt: Man warte noch auf einen Verhandlungstermin

Wien - Die grippalen Infekte haben gerade Hochsaison - und am Montag zeigte sich auch Wiens Planungsstadtrat Rudolf Schicker ausgesprochen verschnupft: Es gebe Meldungen über Verhandlungen über die 6. Donauquerung und die Stadt Wien stehe dafür bereit. "Der Baudirektor und die Experten unseres Hauses warten aber noch auf einen Termin mit der Asfinag/ Ösag, die in dieser Sache noch nicht an uns herangetreten ist."

Die Autobahnen- und Schnellstrassen- Finanzierungs-AG (Asfinag) beriet am Montag vorerst intern über die weitere Vorgangsweise. Dass man sich in der Vorwoche für eine Brücke und gegen einen Tunnel im Zuge der Wiener Nordostumfahrung ausgesprochen habe, sei lediglich eine Empfehlung - entscheiden müsse das Verkehrsministerium, wurde am Montag seitens der Asfinag betont.

Das Ergebnis der Gespräche sei offen. Dass Schicker am Montag davon sprach, "dass die Asfinag/Ösag anscheinend von den Vorstellungen einer Brücke über die Donau abgekommen ist", könne man allerdings nur als Interpretation des Stadtrates werten.

Gegen den Tunnel und für die Brücke sprächen laut Kosten-Nutzenrechnung die höheren Errichtungskosten (der Tunnel wäre um etwa 250 Millionen Euro teurer), die längere Bauzeit (sechs statt 3,5 Jahre) und das höhere Baurisiko.

Ein Anschluss fehlt

Aber auch die Verkehrswirksamkeit wäre mit dem Tunnel eine schlechtere - denn bei Tieflage mit vier Röhren wäre ein Anschluss der verlängerten Donauuferautobahn A22 an die S1 in Richtung Norden nicht möglich. Aus technischen Gründen. "Damit könnte aber die gewünschte Entlastungswirkung in den betroffenen Ortsdurchfahrten von Aspern, Eßling und Breitenlee und auf dem Biberhaufenweg nicht erzielt werden", erläutert Ösag-Geschäftsführer Alois Schedl.

Für den Tunnel spreche, dass beim Ölhafen Lobau keine Bauwerke an der Oberfläche zu sehen wären. Südlich der Donau, im Bereich des Hafens Albern, müsste allerdings ein Lüftungsbauwerk errichtet werden. (Roman David-Freihsl, Der Standard, Printausgabe, 12.10.2004)

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    foto: asfinag
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