Damen- statt Dichterkopf im Grab

20. Oktober 2004, 19:03
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DNA-Analysen bestä­tigten: Der Schädel im Grab von Petrarca ist der einer Dame - Forscher vermuten Diebstahl zum Zweck der Meditation

Rom - Amerikanische Forscher haben Bestätigungen gefunden, dass sich im Grab des italienischen Dichters Francesco Petrarca (1304-1374) ein Schädel einer Frau befand. Während das Skelett im Marmorsarg, das in Petrarca Heimatort Arqua bei Padua bewahrt wird, tatsächlich jenes des berühmten Schriftstellers und Humanisten aus dem 14. Jahrhundert ist, sei der Schädel jener einer Frau, die um das Jahr 1207 gestorben sei, berichtete Projektleiter Vito Terribile Wiel Marin am Montag. Forscher in Arizona hatten in den vergangenen sechs Monaten den Schädel genau untersucht, nachdem es diesbezügliche Verdachtsmomente gegeben hatte.

"Das Knochengerüst gehört bestimmt Petrarca. Man sieht auch Zeichen einer Beinverletzung, die sich der stark übergewichtige Petrarca bei einem Reitunfall auf dem Weg von Florenz nach Rom im Jahr 1350 zugezogen hatte", betonte der Forscher David Caramelli, Leiter der Biologie- und Genetik-Abteilung der Universität Florenz.

Meditation mit Totenkopf

"Zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert war es üblich, zu Hause einen Totenkopf zu haben, um über den Tod zu meditieren. Petrarcas Schädel könnte gestohlen worden sein. Wir hoffen, dass jemand, der Petrarcas Schädel zu Hause hat, es uns zurückgibt, vielleicht auf anonyme Weise", meinte Terribile.

Petrarca, den Experten als der erste "moderne Mensch" und "Intellektueller im 14. Jahrhundert" bezeichnen, steht als Vordenker von europäischem Format an der Schwelle zur Renaissance. Bedingt durch die politischen Umstände der Zeit, seine diplomatischen Missionen und kirchlichen Ämter war er in ganz Europa unterwegs. In der Liebeslyrik blieb Petrarca für Jahrhunderte das große und unerreichte Vorbild vieler europäischer Dichter. (APA)

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