Chrysler-Fertigung in Graz wackelt

12. Oktober 2004, 20:49
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Grand Cherokee wird ab 2010 in den USA gefertigt, Voyager-Verträge laufen schon 2006 aus - General Motors spart 500 Millionen in Europa ein

Graz/Auburn Hills - Der DaimlerChrysler-Konzern plant offenbar, die Fertigung der Fahrzeuge Jeep Grand Cherokee von Magna Steyr in Graz abzuziehen und in die USA zurückzuverlagern. Die nächste Generation des Geländewagens werde von einem Werk in Nordamerika "bezogen" werden; dies sei "bereits entschieden", so der deutsche Chef von Chrysler, Dieter Zetsche, in einem Interview mit dem Branchenmagazin Automotive News.

Schlechte Karten für Vertragsverlängerung

Das bedeutet: Magna Steyr in Graz dürfte schlechte Karten in den Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung für den Bau des Nobeloffroaders haben. Die aktuellen Verträge laufen allerdings noch bis Ende 2009, der nächste Grand Cherokee wird Mitte 2005 auf den Markt kommen, dessen Produktion in Graz muss im Frühjahr anlaufen.

Was allerdings laut Zetsche schon früher infrage steht, ist die Produktion des Minivans Chrysler Voyager. Dafür enden die Verträge 2006. "Über dieses Programm wird es rechtzeitig Gespräche zwischen DaimlerChrysler und Magna Steyr geben", so Andreas Rudas, Sprecher des heimischen Zuliefererkonzerns, bei dem man sich am Montag vom Vorstoß Zetsches einigermaßen überrascht zeigte und auf die gültigen Verträge verwies.

70.000 Fahrzeuge aus Graz

Magna Steyr hat im vergangenen Jahr knapp 40.000 Voyager und knapp 30.00 Grand Cherokee in Graz produziert. Das war damals mehr als die Hälfte der Gesamtfertigung, heuer dürfte aber der BMW X3 wichtiger werden. Laut Gerüchten könnte BMW auch den Auftrag für einen kommenden Sportvan nach Graz vergeben. Die Begründung Zetsches für die Konzentration der Produktion - "die aktuelle Dollar-Euro-Rate" - sorgte in Branchen- und Mitarbeiterkreisen allerdings für Verwirrung, da es ja um Projekte geht, die in drei beziehungsweise sechs Jahren Realität werden könnten. Pikantes Detail: Eurofighter-Anbieter EADS beharrte Ende September 2002 auf eine künftige Anrechnung der Jeep-Fertigung als Gegengeschäft.

Bei GM wackeln 12.000 Jobs

Indessen wurden Pläne des Konkurrenten General Motors bekannt, wonach bei den Europatöchtern Opel, Saab, Vauxhall 500 Mio. Euro einzusparen sind und 12.000 Jobs wackeln. Das Wiener Werk sei davon nicht betroffen, da keine Fahrzeuge, sondern Komponenten wie Motoren und Getriebe hergestellt werden, so eine Sprecherin. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2004)

  • Geht es nach Chrysler, soll die nächste Generation des Grand Cherokee nur noch in Amerika vom Band laufen.
    foto: magna steyr

    Geht es nach Chrysler, soll die nächste Generation des Grand Cherokee nur noch in Amerika vom Band laufen.

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