Wachstum als Überlebensstrategie

12. Oktober 2004, 12:41
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Die Telekom Austria hat wegen später Privatisierung die Kaufwut der Konkurrenten nur beobachtet, selbst aber nicht mittun müssen

Kleinere Zukäufe sind erlaubt. Das Wort Expansion - also Unternehmenskäufe in großem Stil, wie sie 1999 und 2000 beinahe auf der Tagesordnung standen - ist bei der Deutschen Telekom (DT) aber tabu. Zu sehr schmerzen die Wunden, die sich die großen, weltweit tätigen Telekomkonzerne in der Hitze des New-Economy zugezogen haben.

Auch bei France Télécom und Telecom Italia zeugen hässliche Narben von waghalsigen Abenteuern - in den Bilanzen ausgewiesen als Verschuldungsgrad, Verbindlichkeiten und Zinsendienst.

Fraglich

Die Frage, wie sich die zu 47 Prozent im Staatsbesitz stehende Telekom Austria (TA) in diesem Umfeld präsentiert, ist eine spannende. Dank später Privatisierung hatte sich die TA zwar nicht überfressen (können) wie ihre Konkurrenten in Europa, an Schulden mangelte es der ausgegliederten Verwaltungssektion freilich nicht. Zu groß waren die Begehrlichkeiten österreichischer Finanzminister, sich der dank hoher Telefontarife eingespielten Gewinne zu bedienen. Ergo musste die Digitalisierung des Telefonnetzes auf Pump erfolgen. Der Exmonopolist war ein personell überbesetzter Sanierungsfall, dem es auch an Controlling-, Rechnungswesen- und Managementwerkzeugen fehlte.

Sechs Jahre und einen Börsengang später braucht TA den Vergleich mit der Auslandskonkurrenz nicht scheuen. Der DJ Europe Stoxx Telecommunication Index, in dem 20 europäische Telekomkonzerne gelistet sind, zeigt: Die TA-Aktie legte um 34 Prozent zu, der Branchenindex verlor 54 Prozent (siehe Grafik).

Absturz

Das Ausgangsniveau war gleich schlecht: Die TA-Aktie war nach dem Börsengang im November 2000 von neun auf sechs Euro abgestürzt, die Deutsche Telekom fiel - der New-Economy-Fantasie verlustig gegangen - von fast 90 Euro im Frühjahr 2000 auf 30. Den absoluten Tiefpunkt markierte die DT-Aktie 2002, als sie unter zehn Euro fiel; derzeit notiert sie bei 15 Euro.

Vergleich macht sicher

Zur Schau gestellte Verlässlichkeit nicht nur im Kursverlauf, sondern auch bei weiteren Kennziffern: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des TA-Papiers beträgt 31,70, jenes der DT 33,09; der Buchwert pro TA-Aktie 5,28 Euro, jener der DT-Aktie 7,09 Prozent. Die Bruttorentabilität (Operating Margin) der TA beträgt 10,36 Prozent, jene der DT 8,25 Prozent. Nicht unterschlagen sollte man freilich, dass die TA seit dem Börsengang noch nie Dividenden ausgeschüttet hat, die DT freilich schon - und das nicht zu knapp.

Die nach dem gescheiterten Verkauf an die Swisscom gestellte Schlüsselfrage, wie die nunmehr sanierte Telekom Austria die Herausforderungen der Zukunft bewältigen wird, ist mit diesen Zahlen freilich noch nicht beantwortet. Kern ist das Wachstum, das sie schaffen muss, um sich als Unternehmen mit Zukunft arstellen zu können.

Ausgeschlossen

Die mit den Schweizern geplant gewesene Teilnahme an der Cesky-Telecom-Privatisierung kommt nicht mehr infrage. Dafür ist die TA zu klein, es fehlt an Finanzkraft. TA-Chef Heinz Sundt setzt nun alles auf die mobile Karte, er will den Ertragsbringer Mobilkom bis zum Schwarzen Meer ausdehnen und Funknetze in Bosnien, Serbien und Bulgarien zukaufen. Hier muss er gegen die mächtige DT und Vodafone punkten. Sonst bleibt die TA ein Ankündigungsriese, der zum Umsetzungszwerg verkommt.

Lesen Sie Dienstag über die Wettbewerbssituation am österreichischen Telekommarkt. (Luise Ungerboeck / DER STANDARD Printausgabe, 11.10.04)

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    grafik: der standard
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