Viertägiger Streik in Nigeria

14. Oktober 2004, 20:16
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Gewerkschaft hat zu Arbeitsniederlegung aufgerufen, um Regierung zu Senkung der Spritpreise zu zwingen - Ölpreise steigen

Lagos - Der Beginn des viertägigen Generalstreiks in Nigeria hat Ängste vor einem weiteren Anstieg der Ölpreise auf dem Weltmarkt geschürt. In Nigerias Wirtschaftsmetropole Lagos blieben am Montag viele Banken, Büros und Märkte geschlossen. Der öffentliche Verkehr kam beinahe zum Erliegen. Auch in der Hauptstadt Abuja blieben Banken und Geschäfte zu. Auf den Straßen der Großstädte waren Sondereinheiten der Polizei im Einsatz, um Ausschreitungen zu verhindern.

Der Gewerkschaftsverband Nigeria Labour Congress (NLC) hatte Millionen von Arbeitern in Afrikas wichtigstem Ölland aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen, um die Regierung zu einer Senkung der Spritpreise zu zwingen.

Auswirkung auf Ölindustrie noch unklar

Zu Streikbeginn war noch unklar, in welchem Ausmaß die Ölindustrie betroffen war. Vor drei Wochen waren die Benzinpreise auf einen Schlag um gut ein Viertel auf umgerechnet 40 Cent pro Liter gestiegen. Die Gewerkschaften fordern von der Regierung, die gestiegenen Einnahmen aus dem Ölexport für eine Preissenkung auf dem Inlandsmarkt zu nutzen. Nigeria führt täglich etwa 2,5 Mio. Barrel Öl aus. Weil das Land nicht über genügend funktionsfähige Raffinerien verfügt, muss es fertig verarbeitetes Benzin zu teuren Weltmarktpreisen importieren.

Ölpreise steigen

An den internationalen Märkten steigen die Ölpreise immer weiter. In London hat der Preis je Fass (159 Liter) der Nordseerohölsorte Brent mit 50 Dollar (40,6 Euro) einen neuen Rekordstand erreicht. Diese psychologisch wichtige Marke wurde am Montagvormittag genommen. Analysten nannten neben dem Generalstreik in Nigeria auch den Tarifkonflikt in der norwegischen Ölindustrie als Grund.

In den USA haben die Preise über der Marke von 53 Dollar je Barrel. Ein sturmbedingter temporärer Ausfall des großen Offshore-Ölhafens LOOP.(Louisiana Offshore Oil Port) im Golf von Mexiko wirkte sich ebenfalls negativ aus. Wegen des tropischen Sturms "Matthew" war Ende der vergangenen Woche der Ölhafen geschlossen worden. Dort werden zehn Prozent der US-Öleinfuhren umgeschlagen. Der Preis für Öl zur Novemberauslieferung gab am Montagmorgen im elektronischen Handel in New York um drei Cent auf 53,28 Dollar je Barrel nach. Damit lag der Ölpreis allerdings weiter in unmittelbarer Nähe seines Rekordschlusses am Freitag von 53,31 Dollar.

Erneut teurer wurde auch Öl der Organisation Erdöl Exportierender Länder (OPEC). Im Durchschnitt der Vorwoche kostet das Fass 43,94 Dollar (35,68 Euro). In der Woche davor waren es noch 43,11 Dollar. Besonders gegen Ende der Woche gab es einen Preissprung: Ein Fass OPEC-Öl kostete am Freitag 45,19 Dollar. In Singapur wurden für November-Rohöl-Kontrakte am Montag über 53 Dollar gezahlt. (APA/AFP/dpa/AP)

  • Nigeria: Viertägiger Streik hat begonnen

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