Seine vorbildliche Justiz

7. Februar 2005, 17:48
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Jetzt muss das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes als Klingelbeutel herhalten, wenn Andreas Mölzer ...

Jetzt muss das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes auch noch als Klingelbeutel herhalten, wenn Andreas Mölzer bei seinen Gesinnungsfreunden Geld eintreiben will, um auch künftig das zu finanzieren, was der kommunistisch beeinflusste Privatverein als Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinne bezeichnet und zur Anzeige gebracht hat.

Und das nur deshalb, weil ein "Zur Zeit"-Redakteur darauf hinzuweisen gewagt hat, dass man in Deutschland doch endlich aufwachen und sich vor solch allzu unkontrollierter Medienmacht hüten möge, wie sie von einem ausländischen Medien-Mogul ausgeht, der in Deutschland zunehmend medialen Einfluss ausübt und sich ein Medien-Imperium aufgebaut hat. Das Problem des ZZ-Redakteurs: Es ist der betreffende Medienzar ein Herr Saban aus Israel.

In einem Begleitbrief bejammert Mölzer die Ungerechtigkeit der Welt und die Unschuld seines Redakteurs. Da hieß es dann gleich, die Formulierung, dass Deutschland aufwachen möge, sei eindeutig ein NS-Schlagwort, was er zwar nicht bestreiten kann, aber im festen Vertrauen darauf rechtfertigt, dass seine Leser die Sorgen des ZZ-Redakteurs verstehen und teilen, auch wenn in dem ganzen Beitrag keinerlei Konnex zum Nationalsozialismus, zum Dritten Reich oder zu Auschwitz festzustellen war. So unterbelichtet sind sie auch wieder nicht.

Hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung einerseits auf mühelose Abwehr der Faschismuskeule, andererseits auf müheloses Melken seiner Klientel verheddert sich Schnorrer Mölzer ein wenig. Um die entsprechenden Gerichtsverfahren und die Anwaltskosten decken zu können, benötigen wir Ihre Spende, behauptet er unter Verweis auf den beiliegenden Zahlschein. Schließlich könne man versichert sein, dass diese allzu plumpen Versuche, mittels der Faschismuskeule Zensur gegenüber der freien Berichterstattung von "Zur Zeit" auszuüben, von uns mit aller Deutlichkeit zurückgewiesen werden.

Noch viel deutlicher gibt Mölzer aber zu verstehen, dass es zu dieser Zurückweisung gar nicht kommen darf. Nun sollte uns die Anzeige irgendeines kommunistisch beeinflussten Privatvereines wenig jucken und unsere Sorge, dass unsere vorbildliche Justiz auf derlei Denunziationen eingehen könnte, ist auch entsprechend gering. Wenn das Verfahren, wie zu erwarten, mangels Substanz eingestellt wird, beziehungsweise die Justiz sich dieses lächerlichen Anwurfes nicht einmal annimmt, wird zweifellos keines der Medien - es geht natürlich um die politisch korrekten zeitgeistigen, um welche sonst? - über die Entlastung berichten.

Zumindest diese Angst ist unbegründet. Ich garantiere, sobald ich davon erfahre, darüber zu berichten, wenn unsere vorbildliche Justiz, also diejenige Mölzers, wie zu erwarten, also wie Mölzer es von seinen Gesinnungsfreunden in unserer vorbildlichen Justiz erwartet, sich dieses lächerlichen Anwurfes nicht einmal annimmt. Und ich werde vermutlich keineswegs der einzige sein.

Schließlich soll die gesunde völkische Entwicklung unserer vorbildlichen Justiz, deren Verlässlichkeit der Finanzminister schon wiederholt erproben konnte und auf die sich daher auch der EU-Abgeordnete verlassen zu können glaubt, gebührend gewürdigt werden. Offen bleibt nur die Frage, warum Mölzer bei den Freunden der "Zur Zeit" abkassieren will, um die entsprechenden Gerichtsverfahren und die Anwaltskosten decken zu können, wenn er doch im Vertrauen auf die Vorbildlichkeit unserer Justiz ohnehin mit keinem Verfahren rechnet - mangels, wie sein wertkonservativ und nationalliberal geschulter Verstand sofort erkennt, Substanz.

Sollte da doch noch ein Körnchen Zweifel an der Verlässlichkeit unserer vorbildlichen Justiz bestehen? Das wäre wirklich schmerzhaft. Herr Mölzer könnte mit ruhigerem Gewissen bei seinen Volksgenossen abkassieren, hätte er, als er noch die Gelegenheit hatte, mit derselben Verve wie sein so grausam missverstandener ZZ-Redakteur gegen allzu unkontrollierte Medienmacht in der eigenen Heimat und nicht im fernen Deutschland angeschrieben.

Als nebenberuflicher Kolumnist der "Kronen Zeitung" hätte sich der Herausgeber von "Zur Zeit" unsterbliche Verdienste um die österreichische Medienlandschaft erwerben können, hätte er sozusagen an dem Ort, wo die Gefahr allzu unkontrollierter Medienmacht am größten ist, gewissermaßen im Herzen des Taifuns Hans, dagegen angeschrieben.

Er hätte in seinen "Krone"-Kolumnen ohne weiteres so manchen Konnex zum Nationalsozialismus und zum Dritten Reich herstellen können, um das Wirken eines inländischen Medien-Moguls, der in Österreich zunehmend medialen Einfluss ausübt, anzuprangern, und wetten - das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, jener von Figuren aus dem kommunistischen Bereich beeinflusste Privatverein, wäre nicht einmal im entferntesten auf den Gedanken gekommen, mit der gewohnten Faschismuskeule zuzuschlagen. In "Zur Zeit" kann er das gefahrlos noch immer. (DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.10.2004)

Von Günter Traxler
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