ÖH: "Nur dünner Ast statt Rettungsboot für Unis"

19. Februar 2005, 15:00
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Rektor Winckler verspricht Institut für Publizistik Hilfe: Externe sollen Betreuung der Publizistik-Diplomarbeiten übernehmen

Wien – Georg Winckler, Rektor der Uni Wien, lenkt im Streit mit dem Institut für Publizistik ein: Man wolle den Annahmestopp für Diplomarbeiten, den Institutsleiter Wolfgang Langenbucher mit 1. Oktober ausgerufen hat, nicht auf dem Rücken der Studierenden austragen. Das Rektorat sehe sich durch "diesen Protestruf, der zugleich ein Hilferuf ist", veranlasst zu handeln, erklärt Winckler im Gespräch mit dem Standard.

Anfang nächster Woche soll ein Brief an habilitierte Publizisten aus dem In- und Ausland gehen, "die uns akut helfen sollen, Diplomarbeiten zu betreuen". Diese will Winckler nun "extra finanzieren". Für ihn ist es "unbestritten, dass es sich hier um einen einmaligen Rückstau handelt".

Klaus Lojka, Studienprogrammleiter des Publizistiktinstituts sieht das anders. Er spricht von einer "ineffizienten" Maßnahme: "Diplomarbeiten erfordern intensive Betreuung, diese Professoren wären dann aber die meiste Zeit nicht in Wien. Benötigt werden drei Professorenstellen." Nachsatz: Auch zwei zusätzliche Posten würden schon eine "Erleichterung" bedeuten.

Rein rechtlich sei der Diplomarbeitsstopp gedeckt, erklärt Lojka. Er verweist auf Paragraf 12 der Satzung für Diplom- und Magisterarbeiten. Dort heißt es: Universitätsprofessoren und habilitierte Mitarbeiter sind berechtigt und nach Maßgabe ihrer sonstigen universitären Aufgaben auch verpflichtet, aus dem Fach ihrer Lehrbefugnis Diplom- und Magisterarbeiten zu betreuen und zu beurteilen. "Dieser Forderung kommt das Institut über alle Maßen nach, da jeder Professor mehr als die vorgeschriebenen Diplomarbeiten betreut", sagt Lojka.

Rektor Winckler vertritt eine andere Meinung: "Vonseiten der Professoren ist die Verweigerung der Diplomarbeitsbetreuung – um es vorsichtig zu sagen – rechtlich problematisch." Am 21. Oktober will das Rektorat ein Gespräch mit Langenbucher und Lojka führen, bei dem "auch diese Frage" geklärt werden soll. Weiters auf der Tagesordnung: der Beschluss des Rektorats, "eine externe Evaluierung für die Publizistik hinsichtlich des Curriculums und des Studienbetriebs durchzuführen". Es gelte zu prüfen, "ob die derzeitigen Studieninhalte noch zeitgemäß sind".

Die ÖH wertet die Sofortmaßnahme des Rektorats als "ersten kleinen Schritt". Man frage sich aber, "woher plötzlich das Geld für die Honorare der externen Begutachter stammen soll". ÖH-Vorsitzende Barbara Wittinger ärgert sich: "Anstatt endlich ein Rettungsboot zur Verfügung zu stellen, wird den Universitäten immer wieder ein dünner Ast angeboten." Das Grundproblem der Unterfinanzierung der Unis würde dabei nicht angetastet. (DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.10.2004)

Von Karin Moser und Karin Senekowitsch
  • Hilfe naht, verspricht der Rektor der Uni Wien, Georg Winckler. "Ein erster Schritt", meint die ÖH. Das "Grundproblem der Unterfinanzierung der Unis" sei damit aber nach wie vor nicht gelöst.
    foto: derstandard.at/sonja fercher

    Hilfe naht, verspricht der Rektor der Uni Wien, Georg Winckler. "Ein erster Schritt", meint die ÖH. Das "Grundproblem der Unterfinanzierung der Unis" sei damit aber nach wie vor nicht gelöst.

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