Uni Wien: Anmeldechaos am Institut für Pädagogik

19. Februar 2005, 14:56
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ÖH-Chefin Fuchs kritisiert "miserable Betreuungszustände" - Ministerin Gehrer zum Handeln aufgefordert - Ministerium: Uni Wien verantwortlich

Wien - "Miserable Betreuungszustände" ortet die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) an der Universität Wien. Vor allem an der Pädagogik und Publizistik sei es "katastrophal", erklärte Patrice Fuchs von der ÖH-Bundesvertretung am Freitag bei einer "Krisenpressekonferenz". Anlass dafür war unter anderem der Diplomarbeitsstopp am Institut der Publizistik. Zweiter Anlass für den Protest ist eine Panne bei der Online-Anmeldung für Lehrveranstaltungen am Institut für Erziehungswissenschaften.

Weil die Anmeldefrist durch ein Versehen zwölf Stunden länger gelaufen ist als ursprünglich angekündigt, seien viele, die bereits einen Platz in einem Seminar hatten, wieder rausgefallen, erklärte Katrin Singer von der Studienrichtungsvertretung Pädagogik. "Es haben sich schon einige Studierende bei der Studienrichtungsvertretung gemeldet, die aus allen Lehrveranstaltungen rausgekickt worden sind, für die sie sich eigentlich angemeldet hatten", erzählt Singer gegenüber derStandard.at/Uni.

Keinerlei Lösungsvorschläge

Von Seiten des Instituts habe sie bislang noch keinerlei Lösungsvorschläge gehört, ärgert sich Singer: "Bei den Lehrveranstaltungen, die bereits diese Woche begonnen haben, blieben die Betroffenen ausgeschlossen." Aus ihrer Sicht geht das Problem aber über das derzeitige Anmeldungchaos hinaus: "Es wird jedes Semester schlimmer. Früher musste man sich halt nächtelang anstellen und sich um die Plätze prügeln. Das war schon schlimm genug." Dass diese Zeiten nun vorbei sind, sei aber nur eine oberflächliche Verbesserung. "Früher war wenigstens deutlicher, dass es ein Problem gibt." Nun gibt es zwar ein Anmeldungssystem per Computer, die Prügeleien fänden nun aber virtuell per Internet statt. "Für die Solidarität unter den Studierenden ist das ein Wahnsinn", ärgert sie sich.

"Kein Einzelfall"

Dass die Publizistik und Pädagogik kein Einzelfall seien, machte Vera Schwarz von der ÖH-Uni Wien klar. Die Anmeldesysteme - von Anstellen bis zum Internet - seien problematisch, weil zu wenige Lehrveranstaltungen angeboten würden. Dadurch komme es zu einer Selektion.

Fuchs hat den "Verdacht, dass diese Zustände politisch gewollt sind". Man müsste nur Geld zur Verfügung stellen, "und zwar gezielt, denn nicht in allen Studienrichtungen sind die Zustände so katastrophal", so Fuchs.

Offener Brief an Gehrer

Die ÖH hat deshalb einen Offenen Brief an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) geschrieben - auch weil die Studentenvertreter "seit Jänner um einen Termin anfragen, aber keine Antwort bekommen". Darin wird Gehrer aufgefordert, "diese Situation nicht schönzureden, sondern endlich zu handeln und den Niedergang des österreichischen Universitätssystems zu stoppen". Die ÖH bestreite nicht, dass auch die Institute und Unis gefordert seien. "Sie jedoch sind die zuständige Fachministerin und tragen die Endverantwortung für den untragbaren Zustand an Österreichs Universitäten", heißt es in dem Brief.

Ministerium weist Kritik zurück

Im Bildungsministerium weist man die Kritik der ÖH zurück. "Für fast alle Studienrichtungen bestehen an den österreichischen Universitäten sehr gute und gute Bedingungen. Dass einige Studienrichtungen stark überlaufen sind, ist seit Jahren bekannt und gehört zum System des offenen Hochschulzugangs", erklärte Sektionschef Sigurd Höllinger am Freitag in einer Aussendung. Verantwortlich für die aufgetretenen Probleme sei die Uni Wien selbst, nicht das Ministerim: "Es ist die Aufgabe der Universitätsleitung die zur Verfügung stehenden Ressourcen dort einzusetzen, wo die Nachfrage besonders hoch ist. Daher müssen sich die Forderungen der ÖH auch an die Universität selbst richten." (APA/red/sof)

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