Taifun wirbelt Suzuka-GP durcheinander

10. Oktober 2004, 10:34
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Samstag-Programm entfällt - Qualifying unmittelbar vor dem Rennen - Michael Schumacher am Freitag voran, Klien 18.

Suzuka - Der Taifun "Ma On" hat das Programm der Formel 1 in Japan kräftig durcheinander gewirbelt und für eine Premiere gesorgt. Erstmals wurde in der Geschichte der Königsklasse des Motorsports das Samstag-Programm eines WM-Laufs vollkommen abgesagt.

Die Veranstalter in Suzuka teilten am Freitagabend (Ortszeit) mit, dass die Strecke wegen des zu erwarteten Wirbelsturms mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 180 km/h am Samstag geschlossen bleibt und das für die Startaufstellung zählende Qualifying auf Sonntagvormittag (Ortszeit/3:00 MESZ) verschoben wird. Das Rennen soll knapp dreieinhalb Stunden später wie geplant am Sonntag (ab 7:30 Uhr MESZ/live ORF 1, RTL & Premiere) über die Bühne gehen.

Erst eine Absage in der Renn-Geschichte

Bisher ist nur der Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps im Jahr 1985 abgesagt worden. Damals war der Ardennen-Kurs nach dem Freitagtraining nicht mehr befahrbar gewesen.

Bereits am Freitag machte den Piloten auf dem 5,807 km langen GP-Kurs heftiger, teilweise sintflutartiger Regen zu schaffen. Weltmeister Michael Schumacher wurde dabei mit der Tagesbestzeit von 1:45,388 Minuten und einem Schnitt von über 198 km/h einmal mehr seinem Ruf als "Regenkönig" vollauf gerecht.

Schumi: "Keine großen Erkenntnisse"

"Man macht sich schon Gedanken, über die Ausmaße, was so alles passieren kann", gestand aber auch Schumacher, der bereits am Mittwoch in Tokio ein Erdbeben miterlebt hatte, dass er sich sorgen wegen des heranziehenden Taifuns machte. "Große Erkenntnisse gibt es nach diesem Training nicht, denn es war zu nass", meinte der Deutsche zum Sportlichen. "Zum Glück für uns alle sind alle wichtigen Entscheidungen schon gefallen."

Hinter dem 35-jährigen Rheinländer folgte mit dem Italiener Giancarlo Fisichella (1:46,102) im Sauber ein weiterer Spezialist für nasse Bedingungen auf Platz zwei, während der drittplatzierte Finne Kimi Räikkönen (1:46,749) im McLaren-Mercedes bereits mehr als 1,3 Sekunden auf den siebenfachen Rekordchampion verlor. Auf Platz vier folgte Monza- und Shanghai-Sieger Rubens Barrichello aus Brasilien im zweiten Ferrari (1:46,874).

Klien sieben Sekunden zurück

Der Vorarlberger Christian Klien landete im Jaguar in der Gesamtwertung aus erster und zweiter Session mit 1:52,232 - also fast sieben Sekunden hinter "Schumi" - auf Platz 18, sein australischer Teamkollege Mark Webber (1:50,666) kam auf Platz 16, einen Rang hinter dem Italiener Jarno Trulli bei seinem Toyota-Debüt (1:50,386).

"Das war heute Vormittag wirklich völlig sinnlos. Es war derartig nass draußen, auch die Sicht war praktisch null, das bringt gar nichts", sprach Klien von irregulären Bedingungen, die dazu geführt hatten, dass er ohne Zeit nach Session eins im Klassement aufgeschienen war. "Das Risiko, das Auto wegzuwerfen, war immens groß - und das wollten wir am Freitag vermeiden. Sicherlich bräuchte ich hier jede Runde, aber nicht unter diesen Bedingungen. Erzwingen kannst du nichts!"

"Im Regen ist es doppelt schwer"

Im zweiten Training ging dann der Wasserstand auf der Strecke etwas zurück. "Das waren sicherlich meine schwierigsten Runden in dieser Saison. Suzuka ist schon im trockenen Zustand eine sehr schwierige Strecke", erklärte Klien, der nun praktisch ohne Erfahrungswerte in das für Sonntag geplante Qualifying gehen wird. "Im Regen ist es doppelt schwer, sich auf diesem sehr schnellen Kurs vor allem jene Stellen einzuprägen, bei denen das Wasser steht, dennoch aber im Regen eine Ideallinie zu finden, wenn man noch dazu permanent Aquaplaning hat!"

Als die Dunkelheit in Suzuka einbrach, wurde die Jaguar-Box so wie das gesamte Fahrerlager sturmfest gemacht. Seile wurden um Kisten gezogen, Netze gespannt. "Es wird noch mehr Regen geben", lautete die Prognose von Lokalmatador Takuma Sato (BAR-Honda) vor der Ankunft von "Ma On".

Schon 80 Menschen sind in diesem Jahr in Japan Opfer der Naturgewalten geworden - zuletzt forderte "Meari" am 30. September 16 Menschenleben. Es war bereits der achte Taifun, der 2004 das japanische Archipel getroffen hatte. So oft hintereinander haben die Naturgewalten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nicht im Land der aufgehenden Sonne zugeschlagen.(APA)

  • Widrige Bedingungen in Suzuka.

    Widrige Bedingungen in Suzuka.

  • Da bleibt kein Auge trocken.

    Da bleibt kein Auge trocken.

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