Die Wandlung des Palms

23. Dezember 2005, 12:25
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Smartphones machen den Organizern zusehends Kokurrenz - Wie PalmOne diesen Trend nutzen will, verrät dessen CEO Todd Bradley in einem E-Mail-Interview

DER STANDARD: Mit Sonys Ausstieg als Hersteller von Palm-Organizern ist Ihr größter Konkurrent weg. Haben Sie Sonys Marktanteile kassiert?

Bradley: Ja. Aber wir haben schon davor von Sony Anteile gewonnen, vielleicht war das ja auch der Grund für Sonys Entscheidung. Wir sind stolz darauf, dass wir einen Großteil unserer Zire-Produkte auf Multimedia-Käufer fokussiert haben. Unsere Kombination von hochauflösenden Bildschirmen für Fotos und Video, plus ausgezeichnete MP3 und Videowiedergabe und -aufnahme ist zusammen mit den Organizer-Funktionen ein Wert, den niemand anderer liefern kann.

DER STANDARD: Gleichzeitig verliert das Palm-Betriebssystem Anteile an andere Betriebssysteme, vor allem anSymbian Smartphones und Microsoft. War es ein Fehler, den Betriebssystemhersteller PalmSource vom Gerätehersteller PalmOne zu trennen?

Bradley: Es steht uns frei Produkte mit anderen Betriebssystemen zu entwickeln, obwohl wir bisher keine angekündigt haben, die nicht auf Palm beruhen. Das war der Gewinn der Teilung von Palm in PalmSource und PalmOne. Wir haben damit Kontrolle über unsere Zukunft. Auch sind für Alternativen offen, wenn sie neue Kundenschichten erschließen und unserem Versprechen Simplizität und einfacher Gebrauch dienen.

DER STANDARD: Es gibt einen Boom bei Smartphones, während der Markt für PDAs ohne Funkverbindungen schrumpft. Haben Organizer ohne integriertem Funk noch Zukunft?

Bradley: Unser Handheld-Business läuft gut, und die meisten unserer Handhelds sind mit integrierter Drahtlostechnik, einschließlich Bluetooth oder Wi-Fi. Manche Kunden mögen einfaches "Synch and Go", bei dem sie die Information von ihrem PC speichern und mitnehmen. Andere sind erst jetzt dabei, sich von Papierkalendern und Post-It-Notizzettel zu verabschieden, also sollten Sie den "unverbundenen Organizer" wie den Original-Zire oder den Zire 21 oder 31 nicht abschreiben. Die gibt's ab 129 Euro und ist ein leistbarer Weg für einen Umstieg.

DER STANDARD: Fast jede Woche kommt eine ganze Handvoll neuer Smartphones auf den Markt, während ihr Treo 600 inzwischen schon ein halbes Jahr alt ist. Bradley: Wir werden weitere Familienmitglieder der Smartphone-Linie vorstellen. Und Sie sollten bedenken, dass weiterhin große Mobilfunkanbieter den Treo 600 für ihre Netze anbieten. Der größte US-Provider, Verizon, ebenso wie Mobilkom in Österreich oder Vodafone in Spanien haben eben erst den Treo 600 in ihr Angebot aufgenommen. Wir arbeiten selbstverständlich an weiteren Produkten, aber der Treo 600 wird noch immer bewundert.

DER STANDARD: Der Blackberry von RIM ist ein riesiger Erfolg. Stehlen die Ihnen die Show, oder werden Sie Blackberry-Mail für PalmOne lizenzieren?

Bradley: PalmSource hat eine RIM-Lizenz unterschrieben, um einen Mailclient für Palm-OS-Produkte zu entwickeln, damit Palmprodukte künftig mit Blackberry Enterprise Server zusammenpassen. Wir werden diesen Client evaluieren, sobald er fertig ist, und es gibt keinen Grund warum wir das unseren Kunden bei entsprechender Nachfrage nicht anbieten sollen.

DER STANDARD: Musik, Bilder und Videoclips entwickeln sich zu einem Riesenmarkt. PalmOne hat diese Features integriert, aber kann bei Musik im Vergleich zum iPod nicht mithalten.

Bradley: Der iPod hat ein wesentlich unterlegenes Interface zur Verwaltung und Interaktion mit den Musiktiteln. Das ist eine neue Kategorie und es muss noch viel getan werden, um Musikliebhaber zu gewinnen. Sie können sicher sein, dass wir diese Bedürfnisse befriedigen werden - was wir schon tun, mit MP3 auf Produkten zu unglaublich niedrigen Preisen, wie dem Zire 31 um 169 Euro. (Die Fragen stellte Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 8. Oktober 2004)

  • ZUR PERSON:
Der 45-jährige Todd Bradley ist seit 2002 CEO des PDA-Herstellers PalmOne.

    ZUR PERSON: Der 45-jährige Todd Bradley ist seit 2002 CEO des PDA-Herstellers PalmOne.

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