Die vierte Hand

27. Juli 2005, 14:34
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Restaurant im Kinsky: Im Palais Daun Kinsky auf der Freyung in Wien wird wieder einmal gekocht - zum vierten Mal mittlerweile

Zum vierten Mal mittlerweile, und auch diesmal wieder mit reichlich Ideen, Engagement, guten Leuten und guten Ansätzen. Man wird sehen, ob der Bann nun gebrochen ist.

Dass man um Geld nicht alles kaufen könne, ist zwar ein schöner Spruch, nur leider selten wahr. Im Falle des Restaurants im Palais Daun Kinsky traf er allerdings punktgenau, denn obwohl Palais-Eigner Karl Wlaschek verlautbarte 90 Millionen in die Renovierung des barocken Stadtschlosses gesteckt und mit den Brüdern Haslauer die damals erfolgreichsten Gastronomen der Stadt mit dem Restaurants betraut hatte, lief die Sache nie an: Anfang des Jahres 2000 eröffnete das "Daun Kinsky" mit dem Konzept einer verfeinerten und modernisierten Küche der k. u. k. Kronländer, nach einem halben Jahr schloss man wieder und eröffnete - etwas umgestaltet - als "Kinsky" erneut, mit italo-asiatischen Fusions-Küche, eineinhalb Jahre diesmal. Der nächste war Peter Zöhrer mit seinem "Terzo", er eröffnete im Frühling 2003, den ursprünglich als einfache Trattoria geplanten Italiener gab es auch nur ein knappes Jahr.

Vorigen März übernahm Wlascheks Firma "Palais Events" die Liegenschaft, das Lokal wurde in "Trattoria Daun Kinsky" umbenannt, ein Sous-Chef aus dem Café Central abgezogen, der allerdings bald von einem neuen Küchenchef, Johann Aspalter, abgelöst wurde. Und Aspalter kann wahrlich ein bisschen mehr als nur Thunfisch-Creme über Vitello zu gießen, war im "Johan" in Graz, dann im luxuriösen "Luis C. Jakob" in Hamburg und in "Petermann's Kunststuben" in Zürich, mit zwei Michelin-Sternen und vier Hauben bei Gault Millau ausgezeichnet.

Also benannte man vor kurzem wieder um, diesmal "Restaurant im Kinsky", "weil Trattoria war ganz einfach nicht mehr das, was wir bieten", erklärt Restaurantleiter Andreas Pollak.

Was Aspalter bietet, ist ein preiswertes Mittagsmenü und zwei umfangreichere Abendmenüs in der beliebten austro-italienischen Art. Salat und Mousse von der Artischocke mit Veltliner-Kerbelvinaigrette etwa, der Salat erstklassig, das Mousse ein bisschen indifferent (€ 9,90), oder eine "eingelegte Sardine mit Äpfeln", eine Art Edel-Rollmops, eine tolle Kombination und mit der Apfel-Ingwer-Fülle absolut erfreulich (€ 10,20). Die Schaumsuppe vom Muskatkürbis war überraschend leicht und suppig, (€ 4,50), der Pot au feu von Meeresfischen mit Safran und Noilly Prat dafür umso konzentrierter (€ 4,90). Ein Kaninchen-Raviolo, gefüllt mit ausgelöster Keule, darauf zwei Stückchen Filet, auf getrüffeltem Selleriepüree mit Rucola-Pesto, vielleicht ein wenig verspielt, aber mehr als nur tadellos (€ 12,40); Karotten-Mangold-Knödel mit Schafkäse-Füllung und Paprika - sicherlich eins der interessantesten vegetarischen Gerichte der Stadt (€ 12,10). Und weil gerade ein ganzes Wildschwein geliefert worden war, gab's auch ein Stück vom gebratenen Filet auf gekochter Kohlrabi-Scheibe mit Totentrompeten - trotz Schnickschnack einfach sehr gut. "Wir müssen jetzt Kontinuität beweisen", ist sich Andreas Pollak der verwirrenden Situation und der schwierigen Location durchaus bewusst, die das Publikum nicht gerade strömen lässt.

Dennoch: Zum Ignorieren wäre das "Restaurant im Kinsky" aber auf jeden Fall viel zu gut. (Florian Holzer/Der Standard/rondo/8/10/2004)

Restaurant im Kinsky, Freyung 4, 1010 Wien, Tel. 01 / 535 34 35-10, Mo-Fr 11.30-14.30, 18-24 Uhr
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