Gast aus Polen mit der leichten Schulter

9. Oktober 2004, 20:42
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In Wien wird die Wahrheit ans Flutlicht kommen - Gut möglich jedenfalls, dass die Polen die Öster­reicher unterschätzen

Warschau/Herzlake - Auf dem Papier steht es, und die Polen glauben es auch, dass sie den Österreichern im Fußballspielen überlegen sind. Der 29. Platz in der Weltrangliste sieht tatsächlich viel besser aus als jener 85. Österreichs, in Wahrheit haben aber auch die Polen schon bessere Zeiten erlebt, man denke nur an die dritten WM-Plätze 1974 und '82. Zuletzt hat mit Amica Wronki, das nun u.a. den GAK treffen wird, nur einer von drei Vereinen die Gruppenphase im UEFA-Cup erreicht. Die Großklubs Wisla Krakau (gegen Dinamo Tiflis) und Legia Warschau (gegen die Austria) blieben auf der Strecke.

Die Polen rechnen, wie Adam Romer, Experte der großen Tageszeitung Gazeta Wyborcza berichtet, fix mit dem zweiten Gruppenplatz in der WM-Qualifikation. "Die Österreicher", sagt er, "werden wie Wales unterschätzt. Und Aserbaidschan und Nordirland werden fast nicht wahrgenommen." Dabei sind die Österreicher jüngst aus dem Heimvergleich mit England (2:2) besser ausgestiegen als die Polen (1:2), außerdem müssen die Gäste am Samstag im Happel-Stadion ein halbes Dutzend Stammspieler vorgeben. Am Mittwoch wurde ein Test beim deutschen Oberligisten Meppen 3:0 gewonnen, doch in der ersten Hälfte musste sich die "Einser-Garnitur" von Teamchef Pawel Janas torlos begnügen, nach der Pause spielten elf andere.

Janas in der Kritik

Janas, der in den 80er-Jahren u.a. für Auxerre kickte und als Trainer 1996 Legia Warschau ins Viertelfinale der Champions League führte, trat als Teamchef im Dezember 2002 die Nachfolge von Zbigniew Boniek an, der nach drei Niederlagen in drei Spielen aufgegeben hatte. Auch der 51-jährige Janas steht in der Kritik, freilich ist weit und breit kein möglicher Nachfolger in Sicht. Viele Fans hofften zuletzt, Wisla Krakau würde sich von Henri Kasperczak trennen, auf dass der am Janas-Sessel sägen möge - doch Wisla trennte sich nicht.

Beim Test in Meppen also brachte Janas nicht weniger als 22 Mann zum Einsatz, Fans und Kommentatoren wunderten sich gleichermaßen. "Er hat für Verwirrung gesorgt", sagt Romer, der Sportjournalist. Nachvollziehbar war allein, dass der leicht verletzte Jacek Krzynowek von Bayer Leverkusen geschont wurde. Er soll die Polen mitreißen, hat zuletzt in der Champions League gegen Real Madrid ein tolles Tor geschossen und auch gegen den HSV getroffen. Der zweite Star im Team ist Liverpool-Goalie Jerzy Dudek, doch er wird am Samstag einen eher geruhsamen Abend verbringen. Glauben die Polen. (fri, DER STANDARD Printausgabe 8. Oktober 2004)

  • Der umstrittene polnische Teamchef Pawel Janas.

    Der umstrittene polnische Teamchef Pawel Janas.

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