Fliegerbombe in Linz explodiert: Baggerfahrer schwer verletzt

8. Oktober 2004, 14:08
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Explosion bei Bauarbeiten hat Bombenkrater von 15 Metern Durchmesser geschlagen - Spezialfirma hatte das Gelände freigegeben

Eine private Spezialfirma hatte das Gelände freigegeben, doch Donnerstag detonierte auf einer Linzer Baustelle eine Fliegerbombe. Ein Baggerfahrer wurde schwer verletzt.

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Linz - "Den 40 Tonnen schweren Bagger hat es meterweit durch die Luft geschleudert wie nichts." Unmittelbar danach sah Bauführer Josef Hofbauer einen Bombenkrater von 15 Metern Durchmesser und einen blutüberströmten Kollegen, der auf ihn zuwankte. Was auch der Erdbebendienst Donnerstagvormittag als Erschütterung der Stärke 1,5 nach der Richterskala registrierte, war die Detonation eines 500 Kilo schweren Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg beim Fernheizkraftwerk Linz-Mitte.

Baggerfahrer in künstlichem Tiefschlaf

Baggerfahrer Martin E., der sich mit seinem Fahrzeug genau über der im Erdreich verborgenen Bombe befunden hatte, wurde schwer verletzt. Laut AKH Linz hat der Arbeiter ein Schädel-Hirn-Trauma, multiple Quetschungen im Brust- und Bauchraum sowie mehrere Wirbelbrüche erlitten. Er wurde in künstlichen Tiefschlaf versetzt, sein Zustand sei kritisch, aber stabil, hieß es. Ein zweiter Arbeiter kam mit leichteren Verletzungen davon.

Der Vorstandsdirektor der Linz AG, Alois Froschauer, erklärte, man habe erst im Mai eine Spezialfirma damit beauftragt, das Areal nach möglichen Bomben abzusuchen. Damals sei eine so genannte "Kampfmittelfreiheit" festgestellt worden. "Es ist mir völlig unverständlich, wie dieses Unglück geschehen konnte", kritisierte Froschauer.

Sechs Meter daneben

Dieter Vierbach von der zuständigen "Koch Munitionsbergungsgesellschaft" sagte im STANDARD-Gespräch, dass es damals nur sechs Meter neben dem jetzt explodierten Blindgänger eine Sondierungsbohrung gegeben habe. Doch die elektromagnetische Messung habe nichts ergeben. Generell werde bei einer Suche nicht flächendeckend vorgegangen, sondern würden anhand von alten Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg gezielt verdächtige Punkte ausgesucht. Insgesamt seien im Mai 16 Sondierungen vorgenommen worden.

Der alarmierte Entminungsdienst des Innenministeriums stellte hingegen Donnerstag mit derselben Methode drei weitere mögliche Bombenlageplätze fest. Falls andere Sprengkörper durch die Explosion scharf geworden seien, könnten diese in den kommenden Tagen detonieren.

Gelände gesperrt

Das Fernheizkraftwerk wurde komplett heruntergefahren, angrenzende Firmengebäude sowie eine Kleingartensiedlung und ein Kino wurden evakuiert. Das gesamte Gelände soll mindestens bis zum Wochenende gesperrt bleiben.

Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch zeigte sich betroffen und erklärte, man müsse sich nun Gedanken über neue Untersuchungsmethoden machen. Über die Frage der Finanzierung wollte sich Dobusch "zum jetzigen Zeitpunkt" nicht äußern. Wie berichtet, führt die Stadt Salzburg einen Prozess gegen die Republik Österreich, in dem es um die Finanzierung von Bombensondierungen geht. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 8.10.2004)

Wissen:Blindgänger

Seit 1945 wurden in Österreich fast 26 Millionen Kilogramm an Bombenblindgängern und sonstigen explosiven Kriegsüberresten gefunden und entschärft. Doch die Gefahr ist noch längst nicht gebannt, der Entminungsdienst des Innenministeriums muss durchschnittlich dreimal täglich ausrücken. Im Vorjahr wurden 54.581 Kilogramm Kriegsmunition geborgen und vernichtet. Im heurigen Jahr waren es bisher allein 56 Fliegerbomben. Insgesamt 13 Sprengstoffspezialisten sind in den vergangenen 59 Jahren ums Leben gekommen.

  • Durch die Verdichtungsmaschine links im Bild ging die Bombe hoch

    Durch die Verdichtungsmaschine links im Bild ging die Bombe hoch

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    Luftaufnahme vom Ort der Explosion im Areal des Linzer Fernheizwerkes

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    Ein Feuerwehrmann begutachtet den Krater nach der Explosion

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