Herr Mux greift durch

Isabella Reicher
26. März 2005, 22:43
  • Herr Mux (Jan Henrik Stahlberg)
    foto: filmladen

    Herr Mux (Jan Henrik Stahlberg)

In "Muxmäuschenstill" macht ein Retter des deutschen Gemeinsinns Jagd auf Temposünder, Beckenpinkler und Schwarzfahrer

Von den ganzen Popstars, Schönheitschirurgen und Tauschmüttern ein wenig überschattet, hat das deutsche Privatfernsehen bereits seit geraumer Zeit allerhand Exekutivbeamte ins Realityprogramm gerückt. Das füllt kostengünstig Sendeplätze und scheint nebenbei eine Sehnsucht nach staatlich gewahrter Ordnung zu erfüllen.

Den eifrigen Damen und Herren vom Amt macht nun im Kino ein Privatmann Konkurrenz, um der Deutschen Gemeinsinn auf Vordermann zu bringen: Herrn Mux (Jan Henrik Stahlberg), ausgestattet mit Überwachungstechnologie und einem untrüglichen Spürsinn für sittenwidriges und strafrechtlich relevantes Verhalten, entgeht kein Schwarzfahrer. Kein Autoraser, Schwimmbeckenpinkler, Spanner, Exhibitionist oder Ladendieb soll sich mehr sicher fühlen.

Herr Mux nimmt seine Sache ernst - und sein in Berlin ansässiger Einmannbetrieb, zunächst nur um Azubi Gerd (Fritz Roth) verstärkt, entwickelt sich allmählich zum expandierenden Erfolgsunternehmen: "Wenn ich Recht habe, dann können sich all die Auslaufmodelle dieser Republik warm anziehen!"

Muxmäuschenstill geht auf eine Idee von Hauptdarsteller Stahlberg zurück, der das Projekt schließlich gemeinsam mit Regisseur Marcus Mittermaier realisierte. Dafür machte man sich nicht zuletzt die Möglichkeiten zeitgenössischer Technologie zunutze - gedreht wurde die 40.000 Euro-Produktion in 25 Drehtagen mit zwei Mini-DV-Kameras, häufig ohne Drehgenehmigung.

Muxmäuschenstill - inzwischen auf dem Max-Ophüls-Festival prämiert und beim Deutschen Filmpreis 2004 als bester Spielfilm nominiert - erinnert trotzdem weniger an einen Dogma-Film als etwa an die bitterböse belgische Mediensatire Mann beißt Hund aus dem Jahr 1992.

Der Protagonist ist eine ähnlich zwiespältige Figur - deutschtümelnd, autoritär und misogyn. Seine reine Liebe zu einer jungen, blonden Provinzkellnerin namens Kira (Wanda Perdelwitz) lässt ihn die Realität deutlich verkennen. Als Mux schließlich seinen Irrtum bemerkt, fällt die Reaktion umso heftiger aus und Mux gewalttätig aus dem ansonsten streng exekutierten Verhaltensregelkatalog.

Auch wenn all das satirisch überzeichnet wird - mitunter macht sich der Film die eigenartige Perspektive von Herrn Mux dann doch zu sehr zu Eigen. Das schmälert das Vergnügen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.10.2004)

Von Isabella Reicher

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Verleih Filmladen

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