Erinnerung an NS-Euthanasie

14. Oktober 2004, 00:06
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Auch mit dem Schicksal der Malerin Ida Maly macht eine Ausstellung an der Grazer Uni bekannt

Graz - "So wie ihr uns jetzt als Kinder, als Minderwertige, geistig Tote erklärt habt, so werdet ihr als Tiere und Pflanzen ausgegeben werden", schrieb die Malerin Ida Maly 1935 als Warnung an ihre Peiniger in eines ihrer Selbstporträts.

Maly, die in Graz, München und Wien lebte, kämpfte, nachdem sie ihr Kind bei Pflegeeltern unterbringen musste, mit finanziellen und psychischen Problemen. Von der Landesheilanstalt am Feldhof in Graz wurde sie nach Hartheim in Oberösterreich gebracht und 1941 getötet. Sie war eines von über 2000 Opfern der NS-Euthanasie, die aus der Steiermark kamen.

Das Institut für Zeitgeschichte an der Grazer Uni würdigt erstmals in einer Multimediaausstellung im Zeitgeschichtelabor im Keller des Instituts diese Menschen. 1177 von ihnen konnten namentlich erfasst werden und erhalten einen Erinnerungsrahmen im "Sarajewo-Kreuz", einer Installation im Hof des Instituts in der Beethovenstraße.

Anhand der Lebensgeschichten von Ida Maly, der an Schizophrenie erkrankten Modistin Klementine Narodoslavsky und des oststeirischen Viehhändlers Anton Zsifkovics, der an progressiver Paralyse litt, will man ihr Schicksal den "Menschen heute nahe bringen", erklärt Günter Eisenhut, der gemeinsam mit Wolfgang Freidl die Ausstellung konzipierte. (cms / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.10.2004)

  • Ida Maly in einem früheren Selbstporträt aus dem Jahr 1931
    foto: zeitgeschichtelabor/uni graz

    Ida Maly in einem früheren Selbstporträt aus dem Jahr 1931

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