Wer zu spät kommt, wird mit Scheidung bestraft

6. Oktober 2004, 19:00
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Bei der Isländischen Uferschnepfe gibt es eine Wartefrist für den Partner, der später aus dem Winterquartier zurückkehrt

London – Die Geduld der Isländischen Uferschnepfe ist nach drei Tagen zu Ende: Wenn der Partner des Zugvogels später aus dem Winterquartier zurück kommt, wird er mit Scheidung bestraft. Dies berichten britische Wissenschafter im Fachblatt "Nature". Obwohl ihre Winterquartiere rund tausend Kilometer voneinander entfernt liegen, treffen Männchen und Weibchen der Isländischen Uferschnepfe normalerweise im Frühjahr fast zeitgleich im Brutrevier ein. Verspätet sich ein Partner allerdings um mehrere Tage, sucht sich der zuerst Angekommene einen neuen.

Eine "Scheidung" führt häufig dazu, dass die Vögel später weniger Nachkommen bekommen. Die Isländischen Uferschnepfen (Limosa limosa islandica) überwintern zwischen Großbritannien und der Iberischen Halbinsel, sie brüten nahezu ausschließlich in Island.

Treue Vögel

Viele Zugvögel halten einem Partner über Jahre die Treue. Im Herbst verlässt allerdings oft ein Geschlecht vor dem anderen den Brutplatz, so dass die Pärchen getrennt in unterschiedliche Winterquartiere wandern. Die Wissenschafter um William Sutherland von der Universität von East Anglia (Norwich/Großbritannien) beobachteten markierte Vögel einer Population der Isländischen Uferschnepfe und fanden heraus, dass die Quartiere der beiden Partner im Schnitt 955 Kilometer auseinander lagen.

In den fünf Beobachtungsjahren zeigte sich niemals ein Pärchen des Vorjahres gemeinsam in einer wandernden Schar. Trotzdem trafen die Partner in der Regel zwischen Mitte April und Mitte Mai mit einem Abstand von höchstens drei Tagen im Brutgebiet ein. Wie die Vögel die gemeinsame Ankunftszeit koordinieren, ist nicht klar. Es sei möglich, dass beide Partner in Quartieren überwintern, in denen vergleichbare Umweltbedingungen herrschen. Dann wären beide ungefähr zum gleichen Zeitpunkt in der körperlichen Verfassung, um die Rückreise anzutreten, schreiben die Forscher. (APA)

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Nature

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    derstandard.at
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