Chemiepreise für Aaron Ciechanover, Avram Hershko und Irwin Rose

6. Oktober 2004, 19:07
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Die Auszeichnung wird für die Entdeckung des "Ubiquitin-Systems" vergeben, den Abbau von Proteinen auf molekularer Ebene

Stockholm - Der Nobelpreis für Chemie 2004 geht an zwei israelische und einen US-Forscher: Ausgezeichnet werden Aaron Ciechanover und Avram Hershko, beide vom "Technion", dem Israel Institute of Technology in Haifa, und Irwin Rose von der University of California in Irvine (USA). Das gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften heute, Mittwoch, in Stockholm bekannt. Sie erhalten die Auszeichnung für die Entdeckung des "Ubiquitin-Systems", das für den Abbau von Proteinen in Körperzellen verantwortlich ist und damit eine Art zellulären Müllschlucker darstellt.

Die Auszeichnung ist wie im Vorjahr mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert und wird am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht. Im vergangenen Jahr wurde die begehrte Auszeichnung im Bereich Chemie jeweils zur Hälfte an die beiden US-Forscher Peter Agre von der Johns Hopkins University School of Medicine und Roderick MacKinnon vom Howard Hughes Medical Institute an der New Yorker Rockefeller University vergeben, und zwar für ihre Arbeiten zur Funktion von Kanälen in der Zellwand, durch die der Austausch von Wasser und Ionen erfolgt.

Ubiquitin: der Charon für Proteine

Ubiquitin ist ein - wie der Name sagt - überall vorkommendes (ubiquitäres) Protein. Es findet sich in allen kernhaltigen Zellen, von der Hefe über Insekten und Fische bis zum Menschen. Dabei unterscheidet sich das Ubiquitin der Hefe nur durch drei Aminosäuren von jenem des Menschen, obwohl zwischen den beiden Spezies eine Milliarde Jahre Evolution liegen. Dass das Protein durch die Jahrtausende so unverändert blieb, "ist ein sicheres Indiz für eine besonders wichtige Funktion", heißt es seitens der Tiroler "Ilse und Helmut Wachter Privatstiftung", die bereits im Jahr 1999 die beiden diesjährigen Chemie-Nobelpreiskandidaten aus Israel, Aaron Ciechanover und Avram Hershko, für ihre Entdeckung des "Ubiquitin-Systems" mit ihrem mit damals 250.000 Schilling (18.168 Euro) dotierten Wissenschaftspreis ausgezeichnet hat.

Kontrollierte Eiweiß-Entsorgung

In allen Zellen werden laufend Proteine gebildet und wieder abgebaut. Die Entsorgung der Eiweiße erfolgt dabei nicht wahllos, sondern in einem sehr kontrollierten Prozess, in dem das Ubiquitin eine besondere Rolle spielt. Einem "Todeskuss" gleich, so das Nobelpreis-Komitee, wird es an jene Proteine geheftet, die entsorgt gehören. So wie Charon in der griechischen Mythologie die Sterbenden in das Reich der Toten begleitete, wandern die mit Ubiquitin markierten, nicht mehr benötigten Proteine dann ihrem "Tod" entgegen. Abgebaut werden sie in den zellulären Müllschluckern (Proteasomen), wo sie in kleine Stücke zerlegt und entsorgt werden. Die Proteasomen werden dabei nur aktiv, wenn tatsächlich Ubiquitin an einem Protein haftet. Das Ubiquitin wird kurz vor der Zerstörung wieder abgekoppelt und kann wiederverwendet werden.

Abbau von Proteinen auf molekularer Ebene

Dank der drei Preisträger, die ihre Arbeiten in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren durchgeführt haben, versteht man nun auf molekularer Ebene, wie die Zellen den Abbau von Proteinen managen, heißt es seitens des Nobelpreiskomitees. Protein-Abbauprozesse, die über Ubiquitin geregelt werden, kommen unter anderem bei der Zellteilung, der DNA-Reparatur, der Qualitätskontrolle von neuproduzierten Proteinen und wichtigen Teilen der Immunabwehr vor. Wenn der Abbau der Eiweiße nicht korrekt abläuft, können schwere Krankheiten wie Gebärmutterhalskrebs oder Zystische Fibrose die Folge sein. Auf der anderen Seite ermöglicht das Wissen um diese Prozesse die Entwicklung von Medikamenten,

Aaron Ciechanover (57) wurde in Israel geboren, Avram Hershko (67) ist gebürtiger Ungar, mittlerweile aber Israelischer Staatsbürger. Irwin Rose stammt aus den USA und ist 78 Jahre alt. (APA)

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