"Anything Else": Betrug und Bedrohung

26. März 2005, 22:22
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Woody Allen hat in "Anything Else" Beziehungskrisen und Stadtneurosen variiert

Wien - Alle Jahre wieder ein neuer Film von Woody Allen. Mehr als dreißig Kinospielfilme hat der demnächst 69-jährige New Yorker Autor und Regisseur seit 1966 inszeniert. Dass mindestens im Jahrestakt ein neuer hinzu kommt, ist so sicher wie der Jahreszeitenwechsel: Seine beiden jüngsten Filme etwa wurden im Entstehungsstadium lapidar als "Woody Allen Fall Project" und "Woody Allen Summer Project" geführt.

Im September hat er einen davon, Melinda and Melinda, beim Filmfestival in San Sebastian vorgestellt. Für den zweiten steht unter anderem Scarlett Johansson vor der Kamera. Und für Anything Else, der jetzt bei uns im Kino läuft, hat Allen 2003 mit Christina Ricci und American Pie-Star Jason Biggs ebenfalls zwei junge Hollywoodakteure verpflichtet.

Bewährte Erzählung

Die Wechsel im Ensemble sind längst zur markantesten Variablen im Allen-Universum geworden. Erzählerisch bewegt sich Anything Else dagegen innerhalb bewährter Koordinaten: Allen selbst spielt den Lehrer David Dobel aus New Jersey, der sich seit Jahren erfolglos als Autor für Stand-Up-Comedians versucht. In Jerry Falk (Biggs) hat er einen jungen Schützling gefunden, den er während langer Gespräche nicht nur in Arbeitsbelangen, sondern auch in den Dingen des Lebens unterweist.

Diesbezüglich liegt einiges im Argen: Jerry ist mit der Schauspielerin Amanda (Ricci) liiert, aber nicht glücklich. Für ihre Zurückweisungen findet sein egozentrischer väterlicher Freund schnell nur eine Erklärung: "Sie betrügt dich!" Dobel selbst wird dagegen von unbestimmteren Bedrohungsängsten heimgesucht - wiewohl New York, oder genauer: Manhattan, in Anything Else meist aussieht wie eine idyllische Kleinstadt. Und der Film selber nicht selten wie eine Boulevardkomödie: Nicht zuletzt dann, wenn Danny de Vito als anhänglicher Agent oder Stockard Channing als Amandas Mutter mit Comeback-Ambitionen ihre Auftritte haben.

Anything Else ist also nicht der beste, aber durchaus ein unterhaltsamer Neuzugang in Allens Werk.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2003)

Von Isabella Reicher

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themovie.com


OV im Burgkino

  • Jason Biggs, Christina Ricci
    foto: cinestar

    Jason Biggs, Christina Ricci

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