Neuverträge könnten teurer werden

6. Dezember 2004, 12:07
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Versicherungsverband: Verteuerungen für beide Geschlechter wegen "Risiko Geburt" - SPÖ-Prets kritisiert "ver­wässerten Kompromiss"

Wien - Auf Männer und Frauen kommen nach Ansicht des österreichischen Versicherungsverbandes durch die in der EU geplante neue "Aufteilung" des Kostenfaktors Geburtsrisiko auf Versicherte beider Geschlechter a la longue höhere Prämien zu.

Da von der EU-Gleichbehandlungsrichtlinie, auf die sich die 25 EU-Staaten am Montag in Luxemburg geeinigt haben, nur Neuverträge betroffen seien und der Anreiz für bereits versicherte Frauen groß sei, in die für sie günstigere Versicherungsvariante zu wechseln, für Männer aber nicht, sei eine Verteuerung die Folge der Risikoaufteilung, erklärte der Verband am Dienstag.

"Damit öffnet sich eine Schere, die sich nur schließen lässt, wenn die Prämien für Neuverträge stärker angehoben werden", meinte der Generalsekretär des Verbandes, Louis Norman, in einer Aussendung: "Angesichts stagnierender Versichertenzahlen trifft dies weder die Interessen der Versicherungswirtschaft noch ihrer Kunden."

Nach der Einigung der EU-Arbeitsminister in Luxemburg dürfen in der Union auch ab 2006 Versicherungsprämien von Mann und Frau weiterhin unterschiedlich sein, sofern versicherungsmathematische Grundsätze eine unterschiedliche Berechnung rechtfertigen. Ausgenommen von diesem Grundsatz bleibt einzig das Geburtsrisiko, das bei der Berechnung der Prämien auch für Männer berücksichtigt werden muss.

Prets: "Aus frauenpolitischer Sicht unbefriedigend"

Die SPÖ-Europaabgeordnete Christa Prets kritisierte am Dienstag den Beschluss des EU-Beschäftigungsrates zu den - nun nicht kommenden - Unisex-Versicherungstarifen als "aus frauenpolitischer Sicht völlig unbefriedigend". Ein Nichtzustandekommen der EU-Richtlinie wäre aus Sicht der EP-Berichterstatterin "besser gewesen als der jetzt beschlossene verwässerte Kompromiss". Die größten Unterschiede - von bis zu 60 Prozent - gebe es bei der Berechnung von Versicherungsbeiträgen im Gesundheits- und Pensionsversicherungssektor, und die würden bis auf das Risiko Schwangerschaft auch durch die EU-Richtlinie nicht angetastet.

Bestrafung für Frausein

Die SPÖ-Nationalratsabgeordnete Gisela Wurm wetterte am Dienstag, es sei "ungerecht und absolut unsolidarisch den Frauen gegenüber, dass es keine gleichen Tarife für Männer und Frauen bei Privatversicherungen innerhalb der EU gibt". Die Ablehnung von Unisex-Tarifen beim EU-Treffen am Montag durch die österreichische Bundesregierung "widerspricht dem demokratischen Gleichheitsprinzip zwischen den Geschlechtern" und bestrafe Frauen allein für ihr Frausein, kritisierte die SP-Frauenvorsitzende Innsbruck-Stadt. (APA)

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    Sehr unzufrieden mit der neuen EU-Richtlinie äußerte sich SPÖ-Abgeordnete Christa Prets.
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