Besinnen auf den Mittelstand

14. Dezember 2004, 12:11
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Die Informations­technologie entdeckt immer mehr den Klein- und Mittelbetrieb als interessanten Kunden mit großem Potenzial

Kein speziell ausgewiesenes IT-Budget, keine extra genannte Zuständigkeit im Unternehmen, knappe Budgets: Das typische Klein- und Mittelunternehmen (KMU) ist nicht leicht zu knacken. Dennoch sind diese Unternehmen, die die heimische Wirtschaftsstruktur entscheidend prägen, seit zwei, drei Jahren explizit auf dem Radar der IT-Branche.

Teure Insellösungen

"Da steckt ein riesiges Rationalisierungspotenzial drinnen", sagt Johannes Bischof, Geschäftsführer für Business Solutions beim Druckerhersteller Konica Minolta. Aus seiner Sicht sind gewachsene, kostenintensive Insellösungen (insbesondere oft im Drucker/Scanner/Fax-Bereich) noch sehr oft zu finden. Denn obwohl der mittelständische Unternehmer kostenbewusst agiert - er unterschreibt die Rechnungen oft selbst -, hat er vielfach keinen Überblick über die Gesamtkosten. Bischof: "Die Tintenpatronen etwa werden über die Handkasse gekauft. Da fällt lange nicht auf, dass das eigentlich kostet."

Keine EDV-Abteilung

Es ist eine Art Consultingtätigkeit, die zusätzlich zum Verkauf anfällt, beobachtet Stefan Csizy, Geschäftsführer des größten österreichischen Systemhauses ACP: "Wir müssen klar machen, welche Möglichkeiten es gibt und wie viel man sich damit ersparen kann. KMUs haben im Unterschied zu Konzernen keine EDV-Abteilung, die sich laufend mit Trends auseinander setzt." Da ein Ausfall der zuständigen Person im Unternehmen in Zeiten von Viren-, Spam- und sonstigen Problemen KMUs vor beträchtliche Probleme stellt, bietet Csizy auch an, einen ACP-Techniker für die Zeit des Ausfalls zum Kunden zu schicken.

Mit Veranstaltungen tourt ACP durchs Land und versucht, typische mittelständische Branchen wie Ärzte oder Steuerberater zu erreichen. Auch ist eine Verankerung in den Bundesländern - ACP unterhält 24 Büros - wichtig.

Unternehmens-IT vom Einzelhändler

Denn am unteren Ende der Firmengrößen, bei den zwei, drei Personen umfassenden Büros, mischt der Einzelhandel mit. Da Netzwerke immer häufiger kabellos und Computersysteme einfacher zu installieren sind als früher, deckten sich Kleinbüros auch beim Retailer ein, erklärt Gerhard Sandler, Chef von Media-Saturn. Bei den Mediamarkt/Saturn-Märkten gebe es überall Hotspots, sodass der Kunde selbst ausprobieren kann, was er benötigt. Und bei komplexeren Systemen arbeite man mit Servicebetrieben zusammen.

Ständige Betreuung

Wie überhaupt die Zusammenarbeit mit Partnern eine wichtige Komponente für das erfolgreiche Bearbeiten des KMU-Marktes darstellt. Werner Schiessl, Geschäftsführer von Maxdata, einem Hersteller von Servern, PCs und Notebooks, weiß aus Erfahrung, dass "Großunternehmen Hersteller und Händler nur in der Phase des Rollouts benötigen". Der Mittelstand aber bedarf aufgrund fehlender Personalressourcen einer kontinuierlichen Betreuung. Maxdata arbeitet deshalb mit 300 Fachhändlern und Systemhäusern zusammen.

Zusammenarbeit suchen auch Komponentenhersteller wie der Netzwerkspezialist Cisco. Da komplexe Netzwerktechnologien dem KMU schwer vermittelbar sind, sucht Cisco die Zusammenarbeit mit Application-Providern, die in Branchen verankert sind, erklärt der Österreich-Chef Carlo Wolf. So wurde etwa Ciscos "Ethernet to the X"-Technologie in Zusammenarbeit mit der Tiroler Planet Digital auf die Notwendigkeiten von Tourismusbetrieben adaptiert. Wolf: "Für uns ist es wichtig, unsere Technologien in intelligente Branchenlösungen einzuarbeiten."

Vorsprung durch schnelle Leitung

Denn eines der großen Ziele bei diesem Modernisierungsschub in den KMU-Büros ist, ihnen durch das Andocken an schnelle Internetverbindungen die Möglichkeiten für eine Geschäftsfelderweiterung zu eröffnen, streicht Edmund Haberbusch, zuständiger Manager bei der Telekom Austria, hervor.

Erst zehn Prozent der Klein- und Mittelunternehmen nutzen dabei ASP-Modelle (Application Service Providing), bei dem KMUs die Möglichkeit haben, ihre Betriebssoftware über schnelle Datenleitungen zu nutzen. Haberbusch: "Das Unternehmen mietet die Software als Dienstleistung eines externen Rechenzentrums und zahlt dafür eine fixe Monatsgebühr." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe, 06.06.2004)

Klein- und Mittelunternehmen: Wodurch unterscheidet sich dieser Markt von den IT-Bedürfnissen der Konzerne? DER STANDARD hat bei IT-Anbietern nachgefragt.
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    foto: photodisc
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