Krieg und Frieden – “Dreams Keep You Alive”

3. Oktober 2005, 17:45
posten
In dem Dokumentarkurzfilm „Ima Neka Tajna Veza“ philosophieren eine österreichische Band und eine ambitionierte, junge Regisseurin in Exjugoslawien über die Träume einer neuen Generation.

„Schau dich um, der Krieg ist überall hier noch spürbar“: Neben intakten hübschen Häusern zerbombte Ruinen. Zeitlupenaufnahmen von fallenden Bomben auf Discovery Channel. Dazwischen melodische Wortfetzen „Ich fahr heut hinaus... Ich sonn mich im Leben“.

Und das tun sie dann auch tatsächlich: Dort, wo bis vor acht Jahren der Krieg am Härtesten zuschlug, bewegen sich heute Jugendliche zu den electric groove Rhythmen der österreichischen Band Kugeli. Ein kurzes Eintauchen in eine musikalische Traumwelt bevor man sich wieder der Realität stellt. Wenn die Bandmitglieder anschließend mit Jugendlichen der Umgebung ins Gespräch kommen, verfallen sie schon mal in philosophische Gespräche. Über das Studium beispielsweise, das sich das Mädchen Sanja so sehr wünscht, aber das für sie nur ein Traum bleiben wird, weil sie arbeiten und Geld verdienen muss. Und dann holt man sich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: “don’t believe in dreams, believe in yourself,” heißt es dann.

Wenn die Sängerin Ramona beginnt das Lied Ima Neka Tajna Veza zu singen, bewegen sich alle im Einklang. Der Titel des Filmes wird dabei auch zu seiner Message: „Es gibt eine geheime Verbindung“. Tatsächlich schafft die kurze Dokumentation mit dem klingenden Namen eine Barriere zwischen dem kriegsgebeutelten Bosnien-Herzegovina und dem einstigen Herrscherhaus Österreich. Die Kameraführung und der Schnitt sind zwar noch nicht ausgereift, aber der ganzen Produktion wird durch die auf sympathische Weise geführten Gespräche Tiefgang verliehen. Regisseurin Gloria Dürnberger verzichtet dabei auf komplizierte Montagen und Schnitte, sie lässt ihre Protagonisten einfach miteinander agieren, untereinander Verbindungen schaffen; wobei ein einfacher Blick aus dem Fenster des öfteren spontane Einblicke in das Seelenleben der Akteure offenbart.

Wenn eine Tournee die Wiener Band Kugeli durch das winterliche Exjugoslawien führt, entsteht dabei weitaus mehr als ein Konzertmitschnitt; vielmehr wird man mit einer Momentaufnahme eines ehemaligen Kriegsgebietes konfrontiert. Der Weg wird dabei zum Ziel. Und wenn die Kamera über das “Who wants to live in America? I do!”-Plakat schwenkt, wird klar, dass sogar in Bosnien noch viel geträumt wird. Von einer besseren, schöneren Welt. Von ewigem Frieden. Oder einfach von einem Philosophiestudium.

Eine Kritik von Hannah Rosa Öllinger über „Ima Neka Tajna Veza“
  • Artikelbild
Share if you care.