Der dunkle Raum hinter einem beleuchteten undurchsichtigen Körper

3. Oktober 2005, 17:45
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Eine Frau (Gloria Dürnberger) hört auf Dinge zu machen, die sie früher gern gemacht hat. Der Grund: Sie hat einen Mann (Christian Sommer) kennen gelernt. Wenn sie mit ihm zusammen ist, vergisst die Frau leicht auf sich selbst: anstatt am Markt einkaufen zu gehen, geht sie jetzt mit ihm in den Supermarkt. Anstatt aus der Stadt rauszukommen, hocken sie in seiner Wohnung vorm Fernseher.

Trotzdem ist die Frau mit der Situation nicht unzufrieden – schließlich ist ihr neuer, etwas unbeholfen wirkender Freund ein liebenswerter Kerl. Der Schatten der Frau dagegen ist unzufrieden und gelangweilt. Vor allem vermisst er die Dinge, die er früher gemacht hat. Er erinnert die Frau daran, den eigenen Schatten nicht zu vergessen.

Eine Reihe von FilmemacherInnen, die erst beginnen Filme zu machen, tun sich schwer dabei, Gefühls- und Geisteszustände in Phasen der Verliebtheit glaubhaft auf die Leinwand zu bringen. Verständlicherweise: die Gefahr ist groß beim Thema Liebe zu platt und naiv zu wirken, zu übertrieben und mythisch zu erzählen.

Wilma Calisirs Film Die Schattin thematisiert die Darstellbarkeit von Liebe und Liebeskrisen: ihrer Einschätzung nach ist Die Schattin ein „modernes Märchen über (Un-)Abhängigkeit in einer Beziehung“. Im Film setzt Wilma Calisir märchenhafte Stilmittel bewusst ein: da hört man z.B. einen ruhigen Off-Kommentar, der die Geschichte vorantreibt und ein leicht pathetisches Klavierthema, das dazwischen immer wieder auftaucht; gleichzeitig sieht man zwei etwas überzeichnete Charaktere mit großen Augen und Dauergrinser, die verliebt hin- und hertaumeln. Stilmittel wie diese verleihen dem Film einen ironischen Unterton.

Die Geschichte wird direkt und klar erzählt, häufig anhand von Beispielen und Situationen. Das liegt auch an der klugen und witzigen Schattenmetapher, die sich durch den ganzen Film zieht. Das Besondere an dem Film ist, dass es ihm gelingt, leichtfüßig zwischen den verschiedenen Erzählstilen zu wechseln – der Film ist schwer zu fassen: die Erzählung ist verträumt aber nicht naiv, meist märchenhaft, seltener realistisch, mal ironisch, mal ernst –, der Zugang ist persönlich und gleichzeitig unpeinlich, die Darsteller überzeichnet, aber nachvollziehbar. Man kann davon ausgehen: Wilma Calisirs Film hat einen zufriedenen Schatten.

Eine Kritik von Florian Danhel über "Die Schattin"
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