Inflationsschutz mit Tradition

22. Februar 2005, 20:13
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Inflationsgeschützte Anleihen existieren bereits seit 1742 - Die ersten speziellen Fonds gibt es dagegen erst seit kurzem - Merkmale und weitere Aussichten im Überblick

Der Gedanke, die Verzinsung von Schuldverschreibungen an Preisindizes zu koppeln, ist bereits relativ alt. Bereits 1742 emittierte der Staat Massachusetts Geldmarktpapiere, die mit dem Silberkurs der Londoner Börse verknüpft waren. In der neueren Zeit gaben inflationsindexierte Anleihen 1955 mit einer Emission Israels ihr Debüt auf den internationalen Kapitalmärkten. Unter den großen Industrieländern war Großbritannien 1981 das erste Land, das sein Emissionsprogramm von Staatsanleihen durch inflationsindexierte Anleihen ergänzt hat. Es folgten Australien (1985), Kanada (1991), Schweden (1994) und 1997 die USA (TIPS = Treasury Inflation Protected Securities). Ende 2003 betrug der Marktwert inflationsindexierter Anleihen weltweit bereits 440 Mrd. Euro und war damit fast doppelt so groß wie der für Emerging Market Debt, so Lazard Asset Management.

Vorteile im Überblick: Realer Schutz und Diversifikation

Fonds die auch für Privatanleger diesen Markt abdecken sind allerdings noch relativ neu. „Dabei liegen die Gründe für ein Investment klar auf der Hand“, so Gabriel Panzenböck, Fondsmanager des im Mai aufgelegten Raiffeisen-Inflationsschutz-Fonds. „Denn bei inflationsindexierten Anleihen werden die Zinszahlungen und die Tilgung an die tatsächliche Inflationsentwicklung angepasst“, erklärt er den Hauptvorteil. „Wenn ich heute auf den Konsum einer Wurstsemmel verzichte und das Geld anlege, will ich in einigen Jahren den Wert der Wurstsemmel inklusive einer Verzichtsprämie zurück“, schildert er die Funktionsweise bildlich. „Und genau das bietet diese Assetklasse“. Neben einer fast perfekten Absicherung gegen Inflation haben „Linker“ aber auch noch eine äußerst geringe Korrelation mit allen anderen Assetklassen. Gegenüber herkömmlichen Anleihen etwa liege die Korrelation unter 70 Prozent, schildert Panzenböck. Ein Diversifikationsvorteil bei der Konstruktion eines Portfolios.

Die weiteren Merkmale sind schnell erklärt: Liegt die Inflation zukünftig höher als zum Zeitpunkt des Erwerbs, so sinken inflationsgeschützte Anleihen anders als klassische Fixzinsanleihen nicht im Preis. Dafür profitieren sie nicht von Szenarien mit fallender Inflation wie zum Beispiel im Sommer 2003. Damals grassierte in den USA die Deflationsangst und bescherte Investoren in klassischen Anleihen schnelle Gewinne. „Freilich brachte der kurz darauf wieder freundlichere Konjunkturausblick auch wieder genau so schnell sinkende Kurse“, erläutert Panzenböck.

„Underperformance liegt in der Natur der Sache“

Die Ertragserwartungen inflationsgeschützter Anleihen liegen aber unter denen von traditionellen Bonds: „Die langfristige Underperformance liegt in der Natur der Sache, denn das Risiko liegt gemessen an der Volatilität unter der von herkömmlicher Anleihen“. Das Produkt liege vom Ertrags/Risiko-Profil irgendwo in der Mitte zwischen Geldmarkt- und Anleihenfonds. Anleger sollten dabei langfristig mit Renditen zwischen 3,5 und 4 Prozent rechnen: „Liegt die tatsächliche Inflation jedoch über den derzeit erwarteten 2,1 Prozent, so steigen die Renditen“, kommentiert der Experte.

Der Fonds im Rückblick

„Generell sei der Markt derzeit nicht sehr billig“, gesteht Panzenböck. Im Fonds mischt er deswegen auch herkömmliche Anleihen bei: „Bis zu 20 Prozent des Fondsvolumens investieren wir je nach Marktlage in normale Anleihen“. Seit Auflage am 25.5. liegt der Fonds mit 2,6 Prozent im Plus. Ein Vergleich mit den Top-Produkten unter den traditionellen Anleihenfonds braucht Panzenböck nicht zu scheuen: Diese liegen bei +3,4 Prozent (Spängler Spar Trust M), +2,7 Prozent (Gerling Rendite Fonds) oder +2,5 Prozent (Tirolrent).

Performancedaten per 30.9.2004 in Euro Datenquelle: Lipper

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