Handschellen statt Handy

12. Oktober 2004, 13:24
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Gar mancher Nutzer der Wiener Öffis hätte vermutlich Beifall gespendet, wäre der Schauplatz die österreichische und nicht die amerikanische Hauptstadt gewesen.

In Washington D.C. wurde vor kurzem eine Frau verhaftet, da sie für die Ohren eines Ordnungshüters bei einer Bushaltestelle zu laut in ihr Mobiltelefon gesprochen hatte. Einem Bericht der Washington Post zufolge erfüllte das für den uniformierten Mann den Tatbestand "Erregung öffentlichen Ärgernisses", woraufhin er, um dieses zu unterbinden, selbst zur Tat schritt, um ihr das Corpus Delicti zu entwenden. Nach kurzem - verlorenem - Kampf besaß die Dame statt ihres Handys Handschellen. In Washington tobt seither eine Debatte um die richtige "Handyetikette".

Lautstark

Wien ist anders. Selbst der heimische Etikettepapst Thomas Elmayer telefoniert gelegentlich mit seinem Handy auf der Straße und wird dabei "automatisch lauter". "In öffentlichen Verkehrsmitteln vermeide ich es, ich habe ja keine Lust, dass jeder zuhört", sagt der Inhaber der gleichnamigen Tanzschule. Wie bei anderen Formen zwischenmenschlicher Kommunikation solle man beim Mobiltelefonieren "Toleranz und Rücksichtnahme" walten lassen, und er empfiehlt: "Handyempfang auf lautlos stellen und sich kurz fassen." (DER STANDARD Printausgabe, 5.10.2004)

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