Nur noch viermal schlafen und neunmal trainieren bis Polen

6. Oktober 2004, 15:38
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Fünf lustige Vorberei­tungstage für das ÖFB-Nationalteam, dann wird es ernst - Am Samstag kommt Polen, danach wartet Nordirland

Wien - Mit Polen bespielt am Samstag die Nummer 29 der Weltrangliste die Nummer 90, nämlich Österreich. Da will man schon vorbereitet sein, wenn man Krankl heißt und den österreichischen Kick zu verantworten hat. Deshalb verordnete der Graue, wie sie ihn nennen, wenn er weghört, seinen 23 Mann elf Trainingseinheiten, natürlich nicht täglich, sondern auf sechs Tage verteilt. Bis Samstag eben.

Zwei sind schon vorbei, trainiert haben aber nur fünf Mann. "Einige sind angeschlagen, viele sind sehr müde. Regeneration ist angesagt", begründete Krankl. Ivica Vastic, am Sonntag für die Austria nicht im Einsatz - dass deren Trainer Günther Kronsteiner gesagt hat, er habe Vastic fürs Team geschont, fand Krankl keinen guten Schmäh -, freute sich sehr. Er durfte Schusstraining machen. Torhüter Jürgen Macho war der Leidtragende. Und auch sonst freut sich Ivo, dass er wieder für Österreich spielen darf (wenn er darf, was die Aufstellung zeigen wird). Schließlich heißt das auch, dass "ich mich bei der Austria wieder gefunden habe". Oder sie ihn, denn "ich habe das ganze letzte Jahr auf der falschen Position gespielt". Eine Aussage, die nicht nur Joachim Löw, sondern auch Kronsteiner nicht gern hören wird. Wobei - Löw kann es egal sein, der hilft jetzt beim deutschen Team Jürgen Klinsmann beim möglicherweise falschen Aufstellen.

Christian Mayrlebs wirklich schlechte Zeiten liegen schon etwas länger zurück, sieben Tore in den letzten drei Spielen für Pasching lassen aber schon darauf schließen, dass der 32-Jährige derzeit etwas durchlebt, was man sonst einen zweiten Frühling nennt. Überhaupt ist Krankl einmal mit treffsicheren Stürmern gesegnet: Verwichene Runde verteilte sich das Glück mit je zwei Stück für Mayrleb und Roland Kollmann sowie einem für Mario Haas. Dazu Vastic. "Prinzipiell ist da jede Kombination möglich."

Für den dritten Gegner in der WM-Qualifikation gilt das auch, wie Krankl, vom anhaltenden Videostudium schon ganz geschwächt, zugeben musste: "Ich habe Polens Heimspiele gegen England, Irland und Dänemark sowie das Auswärtsspiel gegen Nordirland gesehen. Die Taktik hat sich jedes Mal geändert, und viele Spieler müssen andere Positionen als in ihren Vereinen spielen." Der Schluss ist schon zulässig, dass Polens Trainer Pawel Janas noch nicht glücklich mit der Performance seiner Mannschaft ist. "Vielleicht ist das gut für uns, aber mit Dudek im Tor und den Feldspielern Krzynowek, Mila und Zurawski haben sie vier echte Weltklasse-Leute."

Weil das so ist, und weil Polen dennoch erst drei Punkte in der WM-Quali geholt hat, muss Janas in Wien und vier Tage später dann in Wales viele Zähler holen, sonst sitzt er als Exteamchef unter dem Christbaum. Krankl ist da sicherer, obwohl man nichts wissen kann. Vielleicht betonte er auch deshalb seinen Eifer: "Ich bin maximal auf den Millimeter vorbereitet."
(DER STANDARD Printausgabe 5. Oktober, Sigi Lützow)

  • Kühbauer und Schopp trainieren, Krankl sieht nicht hin.

    Kühbauer und Schopp trainieren, Krankl sieht nicht hin.

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