Kopf des Tages: Vom Zufall zu einem Team vereint: Richard Axel und Linda B. Buck

5. Oktober 2004, 12:20
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Die Preisträger des diesjährigen Medizin-Nobelpreises - Von Andreas Feiertag

Die beiden diesjährigen Medizinnobelpreisträger Linda B. Buck und Richard Axel sind ein Paar. Auch wenn sie weder miteinander liiert sind noch an derselben Forschungseinrichtung arbeiten, sind sie seit 1984 ein Team, das immer wieder zusammenfindet - über den Geruchssinn.

Die 1947 in Seattle geborene Buck studierte in Washington Psychologie und Mikrobiologie, machte ihren Doktor in Immunologie in Texas. Doch es war ein Zufall, nämlich ein Postdoc-Stipendium, welches die ehrgeizige Wissenschafterin 1980 schließlich an die Columbia University nach New York verschlug. An jene Uni, an der Richard Axel bereits damals dem Geheimnis des Geruchssinnes auf der Spur war.

Der 1946 geborene Forscher hatte ebendort Biochemie und Pathologie studiert, sein Doktorrat von der Johns Hopkins University in Baltimore abgeholt. Und es war ebenfalls Zufall, dass sich Axel damals mit dem Geruchssinn befasste. Dieser Zufall hieß Eric Kandel. Der aus Österreich emigrierte Neurowissenschafter, im Jahr 2000 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, erforschte zu dieser Zeit die Reizübertragung bei der Meeresschnecke Aplysia.

Geruchssinn: Mechanismus der nervösen Übertragung

Beeindruckt vom komplexen Mechanismus der nervösen Übertragung, den Axel aus Kandels Arbeiten kennen gelernt hatte, setzte sich der New Yorker zum Ziel, dieses System am bis dahin noch unbekanntesten aller menschlichen Sinne zu erforschen: dem Geruchssinn. Da aber das Riechen mehr als ein biochemischer Prozess ist, vor allem der emotionale Faktor dabei ein bedeutende Rolle spielt, suchte er Unterstützung von psychologischer Seite. Und fand Linda B. Buck, die er 1984 in sein Team holte.

Und wieder war es ein Zufall, der den beiden schließlich zum Durchbruch verhalf: Die Methode des Gentransfers wurde entwickelt - jene Technik, mit der Buck und Axel die genetischen Grundlagen für den Geruchssinn entdecken konnten, was ihnen nun den Nobelpreis einbringt.

Nach der Publikation dieser Arbeit 1991 trennten sich ihre Wege, wenngleich ihre Arbeiten weiterhin dem Geruchssinn gewidmet blieben. Buck ging zunächst an die Harvard Medical School in Boston, ist seit 2002 am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle. Derzeit untersucht sie den Einfluss von spezifischen Geruchsstoffen (Pheromonen) auf das menschliche Sexualverhalten. Axel blieb in New York, forschte ebenfalls am Geruchssinn weiter, entwickelte aber daneben vor allem genetische Techniken.

Seine Patente brachten der Uni umgerechnet 325 Millionen Euro, sind damit die einträglichsten Patente einer Uni überhaupt. Ihre Geruchsforschungen brachten die zwei immer wieder zusammen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie aufeinander aufbauten: Zahlreiche Preise dafür erhielten sie seit 1991 gemeinsam. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2004)

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    grafik: der standard
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