Bahn frei für die "Öffis" in Innsbruck

8. Oktober 2004, 10:52
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Der neu gestaltete Bahnhofsplatz wurde freigegeben: Mehr Platz für Bus und Straßenbahn, die Autos parken unterirdisch

Innsbruck – Gut vier Monate nach der offiziellen Eröffnung des neuen Innsbrucker Hauptbahnhofes ist am Montag, nach einjähriger Bauzeit auch der neu gestaltete Bahnhofsvorplatz für den Verkehr freigegeben wurde.

Die architektonische Gestaltung des 250 Meter langen und 55 Meter breiten Südtiroler Platzes stammt vom Grazer Architektenduo Riegler & Riewe, die auch das Bahnhofsgebäude entworfen haben. Platz und Bahnhof sind in markantem Rotton gehalten: Beton und Asphalt wurde rötlicher Granit aus dem Erzgebirge beigemengt. Der neue Bahnhofsvorplatz gibt den öffentlichen Verkehrsmitteln durch einen neuen Terminal der Innsbrucker Verkehrsbetriebe erheblich mehr Raum als zuvor.

Klare Trennung

Die Trennung zwischen öffentlichem Verkehr und motorisiertem Individualverkehr ist nun klar vollzogen: Der gesamte östliche Teil, gut zwei Drittel des Platzes, gehört den "Öffis" sowie Radfahrern und Fußgängern. Es gibt keine privaten Parkplätze mehr am Südtiroler Platz, nur eine Kiss&Ride-Spur steht zur Verfügung. 200 Autos können in der neuen Tiefgarage parken, die ebenerdig Zugang zur neuen Schalterhalle bietet. Mehr Platz gibt es für Radfahrer durch drei Abstellplätze.

Für den neuen Bus- und Straßenbahnterminal am Vorplatz musste ein Straßenbahngleis verlegt werden. 21 Linien der Innsbrucker Verkehrsbetriebe und drei Regionallinien verkehren dort täglich. Die Gesamtkosten für die Neugestaltung des Platzes betragen 6,1 Millionen Euro, die Stadt zahlte davon 4,1 Millionen, die IVB zwei Millionen für den Gleisbau.

Neugliederung des Platzes

Pkw werden erst wieder Ende Dezember den Platz passieren können: Bis dahin soll die neue vierspurige Fahrbahn an der westlichen Seite des Platzes fertig gestellt sein. Mit der grundlegenden Neugliederung des Platzes wurden Voraussetzungen geschaffen, die die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch die Bevölkerung erhöhen sollte.

Bei einer Mobilitätsanalyse, die im Auftrag der Stadt durchgeführt wurde, haben sich 50 Prozent der Innsbrucker und 59 Prozent der Bewohner von Umlandgemeinden für eine Verbesserung des Öffi-Angebotes ausgesprochen. Derzeit legen die Innsbrucker und Innsbruckerinnen an Werktagen 16 Prozent der Wege mit Öffis zurück, 42 Prozent benützen den Pkw, 13 Prozent das Rad, 27 Prozent der Wege an Werktagen sind Fußwege. Ein beträchtlicher Anteil der Umlandbewohner fährt täglich in die Landeshauptstadt: 44 Prozent aller ihrer Wege haben Innsbruck- Bezug. Drei Viertel dieser ^Wege werden mit dem Auto ^zurückgelegt.

Auffällig sind Details des Verhaltens der Geschlechter: Innsbrucker Frauen benützen Öffis häufiger als vor zehn Jahren (22 Prozent gegenüber 20 Prozent), während Männer das Angebot nur zu zehn Prozent nutzen und lieber noch als früher mit dem Pkw unterwegs sind (46 Prozent zu 40 Prozent). (bs, Der Standard, Printausgabe, 05.10.2004)

  • Nach einjähriger Bauzeit wurde auch der neu gestaltete Bahnhofsvorplatz für den Verkehr freigegeben
    foto: standard/fotowerk aichner

    Nach einjähriger Bauzeit wurde auch der neu gestaltete Bahnhofsvorplatz für den Verkehr freigegeben

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