Kein Versteck für Influenzaviren

11. Oktober 2004, 11:30
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In heimischen Forschungslabors wird dem Influenzavirus der Garaus gemacht. Wissenschafter holen zum Schlag gegen Sars und Vogelgrippe aus

In Wien-Währing wird der Grippe der Kampf angesagt. Das Forscherteam von Green Hills Biotechnology, einer Firma, die aus dem Best-of-Biotech-Wettbewerb des Austria Wirtschaftsservice (AWS) hervorgegangen war, bekam dafür zwei EU-Projekte zugesprochen. Jetzt ist man nicht nur dabei, eine neue Form des Influenzaimpfstoffes zu entwickeln, sondern diesen auch gegen das gefürchtete Sars (Severe Acute Respiratory Syndrome) und die Vogelgrippe zu wappnen.

Wesentlicher Unterschied zu den bisher am Markt befindlichen Wirkstoffen ist laut Geschäftsführer Thomas Muster, dass "unser Impfstoff via Nasenspray verabreicht wird". Die bisher obligatorische Spritze wird dabei durch den Einsatz lebender Viren umgangen. Der Trick: Diese wurden so abgeschwächt, dass sie keinen Schaden mehr anrichten können, aber trotzdem gerade noch so aktiv sind, um im Körper eine Immunreaktion auszulösen. Wie dieser Status erreicht wird, ist Betriebsgeheimnis - man beginnt erst mit ersten Sicherheitsstudien, auf die dann klinische Tests folgen sollen.

Ganz ähnlich nähert man sich am Institut für angewandte Mikrobiologie an der Universität für Bodenkultur, dem Thema Influenza an. Forschungsmitglied Christian Kittel: "Wir verfolgen zwei Impfkonzepte, die beide auf lebend attenuierten Influenzaviren basieren." Will heißen: Ein Verfahren basiert auf temperatursensitiven Viren, die so abgeschwächt wurden, dass sie bei niedrigen Temperaturen (bei 25 bis 30 Grad) wachsen, bei höheren Temperaturen (etwa bei einer Körpertemperatur von 37 Grad) aber ausgebremst werden. Die Lebendviren fühlen sich demnach in der kühlen Umgebung der Nasenschleimhaut pudelwohl, lösen dort keinen Schaden, sondern lediglich die erforderliche Immunantwort - also Impfschutz - aus. Sobald sie in die Lunge vordringen, ist ihnen zu heiß und sie können dort nicht mehr wachsen.

Grippetöter züchten

Die Boku-Forscher haben aber noch einen Ansatz zur Impfstoffentwicklung: "Second-Generation-Vakzine". Gezüchtet wird der Grippetöter in bestimmten tierischen Zellen (Verozellen), allerdings um jenes Gen erleichtert, das es dem Virus normalerweise erlaubt, sich vor dem Immunsystem zu verstecken. Im Tiermodell habe man "viel versprechende Ergebnisse" erzielt, auch bei Impfstudien, bei denen das Influenzavirus zusätzlich mit einem Antigen gegen HIV und Tuberkulose ausgestattet wurde. Auf Verozellen setzt man auch im tschechischen Bohumile. Die Firma Baxter hat dort eine Virenreaktor-Anlage gebaut, die im Wesentlichen jene Wachstumsbedingungen herstellt, die das Virus sonst nur bei der Zucht in angebrüteten Hühnereiern vorfindet - nur kontrollierter. Nach einigen Tagen können die inaktivierten Viren als Impfstoff intravenös verabreicht werden.

Sobald das Werk voll läuft, können die 6000 Liter fassenden Reaktoren etwa zehn bis 15 Mio. Dosen Wirkstoff pro Jahr produzieren. Genau das ist für Wolfgang Mund, im Betrieb für Prozessentwicklung verantwortlich, der entscheidende Vorteil des Verfahrens: "Wir können damit ein definiertes, reproduzierbares Herstellsystem aufbauen." Und man wäre so im Fall einer weltweiten Pandemie nicht mehr von der Zahl der vorhandenen Hühnereier abhängig.

Vor der Zulassung muss noch der Nachweis der Reproduzierbarkeit erbracht werden. Und eine gute "safety history". Die Verozellen, eine sehr stabile Zelllinie, die ursprünglich aus der Grünen Meerkatze isoliert wurde, sind in Sachen Sicherheit keine Unbekannten: Sie sind schon bei Polioimpfungen oder Tollwut zum Einsatz gekommen. (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2004)

  • Wenn Vorbeugung gegen die derzeit grassierende Grippe doch nicht hilft, dann kann nur noch eine geordnete Nachbehandlung durch Medikamente und Taschentücher die Rettung sein.
    quelle: der standard

    Wenn Vorbeugung gegen die derzeit grassierende Grippe doch nicht hilft, dann kann nur noch eine geordnete Nachbehandlung durch Medikamente und Taschentücher die Rettung sein.

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