Gerangel um Flughafen Bratislava

12. Oktober 2004, 13:13
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Im Vorfeld der Privatisierung des Airports matchen sich das Konsortium rund um die AUA und der Flughafen Wien um die besten Startplätze

Wien - Der Wiener Flughafen bekommt heimische Konkurrenz bei der Bewerbung um die Beteiligung am benachbarten Flughafen Bratislava. A-Way, die von der Bauholding Strabag abgespaltene Infrastruktur-Gesellschaft des Konzerns, wird sich gemeinsam mit der Austrian-Airlines-Gruppe und der Erste Bank um eine Betreiberkonzession in Bratislava bewerben. Das kündigte der Chef und Mehrheitseigentümer der Strabag, Hans-Peter Haselsteiner, im Gespräch mit dem STANDARD an. Dabei ist A-Way der Konsortialführer, die AUA nur mit einer Minderheit beteiligt. Der Grund: Es könne sein, dass bei der Ausschreibung Fluglinien explizit nicht zugelassen werden.

Kostenvorteil

International ist es unüblich, dass Fluglinien sich an Flughäfen beteiligen, weil eine Benachteiligung anderer Fluglinien befürchtet wird. Für die AUA, die seit Mai vom Flughafen Bratislava täglich Richtung London, Paris und Brüssel startet, hat Bratislava aber nicht nur einen Kostenvorteil gegenüber Wien. "Wir gehen davon aus, dass der Wirtschaftsraum Wien/Bratislava und damit auch das Flugaufkommen massiv an Bedeutung gewinnen wird", begründet ein AUA-Sprecher das Interesse der Airline, die mit einem Marktanteil von 30 Prozent Marktführer in der Slowakei ist.

Der Flughafen Bratislava hat - verglichen mit Wien (14 Mio. Passagiere jährlich) - derzeit noch ein geringes Passagieraufkommen, verzeichnet aber rasante Zuwächse. Von Jänner bis August hat sich die Passagierzahl in Bratislava auf 601.000 verdoppelt, nicht zuletzt aufgrund der Autowerke rund um die Stadt. Sein Engagement begründet Haselsteiner folgendermaßen: "Sollte der Flughafen nicht zum Zug kommen, ist es wichtig, dass noch ein anderes österreichisches Konsortium im Rennen ist."

Airlinebeteiligung

Bei der slowakischen Regierung, dem Mehrheitseigentümer des Flughafens, hat sich die AUA bereits großzügig gezeigt. Slowakische Medien berichteten vor kurzem über einen Fünf-Mio.-Euro-Kredit der AUA an die staatliche slowakische Fluggesellschaft Slovenske Aerolinie (Slovak Airlines), was von der AUA zwar dementiert wurde. Gleichzeitig aber bestätigte die AUA ihr Interesse an einer Beteiligung bei der bevorstehenden Privatisierung. Die überschuldete Fluglinie betreibt derzeit zwei Boeing 737-400 und beschäftigt rund 200 Mitarbeiter. Seit Juli gibt es eine Kooperation mit der AUA.

Fix ist jedenfalls, dass es neben den beiden österreichischen Bietern auch noch zahlreiche andere Interessenten am Flughafen Bratislava gibt. Dazu zählen die argentinische Gesellschaft Aeropuertos, die amerikanische Glenealy International und die US-kanadische ViaPort. Im Fall eines Mehrheitserwerbs hat ViaPort bereits eine Erweiterung des Flughafens Bratislava angekündigt. Das nahe liegende Dorf Ivanka soll abgebaut und 21 Kilometer entfernt wieder aufgebaut werden. Die ganze Operation würde 20 Mrd. Kronen (497 Mio. Euro) kosten, fünf Mrd. Kronen würden die Bewohner von Ivanka als Kompensation bekommen.

Wesentliche Fragen offen

Einfach wird die Privatisierung sicher nicht, zumal in Bratislava noch wesentliche eigentumsrechtliche Fragen geklärt werden müssen. Davon sind ungefähr 30 Prozent der Liegenschaften in der Umgebung des Flughafens betroffen, die angekauft oder gemietet werden müssten. "Bisher haben wir diese Grundstücke noch nicht gekauft oder in Pacht genommen. Es fehlten uns die Mittel dazu", sagte Flughafendirektor Jaroslav Mach. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2004)

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    foto: flughafen bratislava
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