Umfrage: Mittelstand spürt Druck der EU-Erweiterung

9. Juni 2006, 14:29
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Gewerbe beklagt niedrigere Verkaufspreise und Nachfragerückgang - Baubranche am stärksten betroffen

Wien - Fünf Monate nach der Erweiterung der EU sehen sich viele österreichische Gewerbe- und Handwerksbetriebe mit einer sinkenden Nachfrage und niedrigeren Verkaufspreisen konfrontiert. Am stärksten betroffen sind baunahe Betriebe, aber auch verbrauchernahe Branchen - Fleischer, Friseure oder Textilreiniger - klagen. Dies geht aus einer der APA vorliegenden Umfrage der KMU Forschung Austria der Wirtschaftskammer Österreich WKÖ) hervor.

Das Forschungsinstitut, das routinemäßig die Konjunkturstimmung erhebt, hat in der Umfrage für das vergangene Quartal auch die Auswirkungen des EU-Beitritts unter den Mitgliedern der Bundesparte Gewerbe und Handwerk abgefragt.

Überraschendes Ergebnis

Das in seiner Eindeutigkeit überraschende Ergebnis: In praktisch jedem Bundesland ist die Zahl der Betriebe, die die EU-Erweiterung für Nachfragerückgänge verantwortlich machen, viel größer als die Zahl der Erweiterungs-Gewinner. Am stärksten sieht sich der Wiener Mittelständler betroffen: Nur drei Prozent der befragten Unternehmen in der Bundeshauptstadt berichten über ein wegen der Erweiterung besseres Geschäft. 22 Prozent sagen, dass die neuen EU-Länder sie Umsatz und Nachfrage gekostet hätten.

Der EU-Beitritt hatte negative Auswirkungen auf die Verkaufspreise geht aus der Analyse hervor. Zwei Drittel der 3.600 befragten Handwerks- und Gewerbebetriebe meinen zwar keine Folgen auf ihre Verkaufspreise zu verspüren, das restliche Drittel verteilt sich aber eindeutig: 24,4 Prozent beklagen niedrigere Preise, nur 4,2 Prozent glauben, dass der größere Markt Preiserhöhungen möglich gemacht habe. Umgekehrt sollen sogar Einkaufspreise der Unternehmen eher gestiegen als gefallen sein.

In der Liste der betroffenen Branchen rangiert die Bauwirtschaft ganz vorne. So berichten etwa 39 Prozent der Dachdecker und ein Drittel des Baunebengewerbes von niedrigeren Verkaufspreisen seit Anfang Mai.

Aber auch konsumnahe Branchen fühlen sich in Mitleidenschaft gezogen. Dies passiert der Umfrage zufolge aber offenbar weniger über den Preis als über die Nachfrage: So behaupten 27 Prozent der Fleischhauer, wegen der Erweiterung weniger Umsatz zu machen. Aber auch 17 Prozent der Friseure, 14 Prozent der Schneider und 13 Prozent der Bäcker führen Nachfrageprobleme auf die Vergrößerung der Union zurück. (APA)

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