Kharrazi bezichtigt Europa des Wortbruchs

5. Oktober 2004, 11:17
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Irans Außenminister: Fühlen uns nicht mehr an Zusage über Verzicht auf Urananreicherung gebunden

München - Der iranische Außenminister Kamal Kharrazi hat in scharfen Worten das Verhalten Europas gegenüber seinem Land in Zusammenhang mit dem Atomstreit kritisiert. "Wir haben kein Vertrauen mehr zu den Europäern", sagte Kharrazi laut einer Vorausmeldung in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Focus".

Er beschuldigte Europa, sich nicht an die Abmachungen gehalten zu haben: Bei einem Treffen in Brüssel im Februar 2004 hätten sich die Europäer seinem Land gegenüber verpflichtet, bis zum Juni dessen Akte bei der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu schließen. Da die Europäer aber ihr Wort nicht gehalten hätten, habe auch Teheran sich "nicht mehr an seine Zusage gebunden gefühlt", auf die Montage von Zentrifugen zur Urananreicherung zu verzichten.

Vertrauen

"Vertrauen kann nicht einseitig funktionieren", so Kharrazi. Der Außenminister schloss nicht aus, dass sich der Iran in Zukunft erneut mit den Europäern einigen könnte. Als möglichen Kompromiss schlug er vor, "dass wir den kompletten nuklearen Zyklus inklusive Urananreicherung unter der Aufsicht der IAEA betreiben".

Die Anreicherung des in natürlichem Uran nur in sehr geringen Mengen vorkommenden spaltbaren Isotops Uran 235 ist Voraussetzung für den Betrieb von Kernkraftwerken, aber auch den Bau von Atomwaffen. Vor allem die USA und Israel beschuldigen Teheran, den Besitz von Atomwaffen anzustreben. Die Internationale Atomenergiebehörde hat vom Iran ein Einfrieren der Urananreicherung verlangt. (APA)

  • Kamal Kharrazi, Außenminister
    foto: reuetrs/nikoubazl

    Kamal Kharrazi, Außenminister

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