Papst: Seliger Karl Vorbild für Politiker

3. Oktober 2004, 18:40
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300 Habsburger auf dem Petersplatz - Rippenstück Karls als Reliquie übergeben - Karl darf nun öffentlich verehrt werden

Vatikanstadt - Papst Johannes Paul II. hat am Sonntagvormittag auf dem Petersplatz in Rom fünf Seligsprechungen vorgenommen, darunter jene des letzten österreichische Kaisers, Karl I. Gemäß dem dafür vorgesehenen Ritus bat der Bischof von Funchal auf der Atlantik-Insel Madeira, wo Karl 1922 starb und begraben liegt, den Heiligen Vater, die so genannte Promulgationsformel zu sprechen. Daraufhin verfügte Johannes Paul kraft seiner "apostolischen Autorität", dass der ehemalige Kaiser sowie die deutsche Mystikerin Anna Katharina Emmerick, der französische Trappistenpater Joseph-Marie Cassant, die italienische Ordensfrau Ludovica De Angelis und der Ordensgründer Pierre Vigne von jetzt an "Selige" genannt werden. Damit darf Karl I. nun offiziell öffentlich verehrt werden.

Die Seligsprechungen wurden von der Menge auf dem Petersplatz mit Applaus begrüßt. Danach wurden Großporträts der Seliggesprochenen enthüllt, zuletzt jenes des Monarchen, dem einzigen Laien, der am Sonntag zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Es zeigte ihn in Uniform. De Faria und die vier weiteren Bischöfe, die am Sonntag um Seligsprechungen gebeten hatten, dankten dem Heiligen Vater und schlossen so den Beatifikationsritus ab.

Rippenstück

Als Gedenktag für Karl legte der Vatikan den 21. Oktober fest. An diesem Datum im Jahr 1911 hatte der damalige Erherzog, Zita von Bourbon-Parma geehelicht. Ein Urenkel Karls I. übergab eine Reliquie. Dabei handelt es sich um ein Stück aus der Rippe Karls. Sie wurde 1972 entnommen, als der Sarkophag mit dessen Leichnam in der Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte auf Madeira gemäß den Vorschriften der vatikanischen Kongregation für Heiligsprechungen geöffnet wurde.

Lebensgeschichte verlesen

Bevor der Papst die Promulgationsformel sprach, hatte der Bischof von Funchal eine kurze Lebensgeschichte des 1922 im Alter von 34 Jahren Verstorbenen verlesen. Der Habsburger, der eine militärische Laufbahn eingeschlagen hatte, habe die Uniform nicht als Zeichen der Macht, sondern als Zeichen für den Dienst am Vaterland getragen, hieß es darin. Sein Leben sei von den "frömmsten und ernstesten Vorsätzen" geprägt gewesen.

Die Ansprache des Papstes wurde wegen dessen Sprechschwierigkeiten teils von Konzelebranten verlesen. Johannes Paul II. würdigte Karl für die von ihm im Ersten Weltkrieg gesetzten, aber gescheiterten Friedensinitiativen: "In seinen Augen war der Krieg etwas Entsetzliches." Den Politikern in Europa empfahl der Heilige Vater den Monarchen als Vorbild.

300 Habsburger

Etwa 300 Mitglieder der Familie Habsburg sowie Ehrengäste aus dem europäischen Hochadel sind nach Rom gekommen, etwa Fürst Hans Adam II. von Liechtenstein und die Witwe des früheren belgischen Königs Baudoin I., Fabiola.

In Österreich hatte die Seligsprechung des Habsburgers heftige Debatten ausgelöst. Der Kaiser wurde unter anderem mit dem Einsatz von Giftsgas an der italienischen Front 1917 in Verbindung gebracht. Historiker hielten den Monarchen als Oberbefehlshaber der k.u.k.-Armee für mitverantwortlich. Andere Historiker und Befürworter der Seligsprechung beriefen sich unter anderem auf den Vatikan, der die Vorwürfe im Zuge des 55-jährigen Seligsprechungsverfahrens entkräftet habe.

Für Diskussionen sorgte auch das Wunder, das nach Bitte um Fürsprache bei dem verstorbenen Monarchen 1960 erfolgt sein soll. Laut dem Vatikan wurde die in Brasilien tätige polnische Nonne Maria Zita Gradowska auf wissenschaftlich nicht erklärbare Weise von einem langwierigen Beinleiden geheilt. Dies wurde in den Medien als "Krampfadern-Wunder" bezeichnet. Für Nicht-Märtyrer wie Karl ist ein Wunder neben einem heiligmäßigen Leben Voraussetzung für eine Seligsprechung. (APA)

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    Der letzte Kaiser von Österreich wurde selig gesprochen.

  • Papst Johannes Paul II. den Politikern in Europa den seligen Karl als Vorbild.

    Papst Johannes Paul II. den Politikern in Europa den seligen Karl als Vorbild.

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