Soletti-Streit: Kelly gibt Bahlsen Saures

12. Oktober 2004, 13:13
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Klage gegen Bahlsen eingebracht - Diskussion über "Soletti" als Marke oder Gattungsbegriff

Wien - Zwischen der österreichischen Firma Kelly und dem deutschen Konkurrenten Lorenz Bahlsen Snack-World tobt ein erbitterter Rechtsstreit um den Markennamen "Soletti", berichtet die "Presse" in ihrer Samstags-Ausgabe. Seit Juni knistere es zwischen Kelly und Lorenz Bahlsen Snack-World. Ausgangspunkt eines mittlerweile erbitterten Rechtsstreits sei ein TV-Werbespot des deutschen Konzerns.

Marken-Krieg

"Bisher gab es nur Soletti..." sagt darin eine sonore Stimme, um dann für "Saltletts Bits" zu werben. Daraufhin schaltete Kelly-Chef Wolfgang Hötschl laut Bericht den Wiener Wirtschaftsanwalt Ronald Rast ein. Der habe beim Wiener Handelsgericht Klage und einen Antrag auf Einstweilige Verfügung eingebracht. Was mit einer Werbespot-Streit begann, drohe nun zu einem Marken-Krieg auszuarten.

Lorenz Bahlsen Snack-World zog laut "Presse" zwar den Werbespot zurück, legte aber ein juristisches Schäuferl nach. Soletti sei nämlich keine Marke, sondern längst ein Gattungsbegriff, lautete das Argument. Und einen Gattungsbegriff könne man nicht schützen lassen. Sollte das Gericht dieser Argumentation folgen, könnten bald alle Salzstangen-Hersteller in Österreich Soletti auf ihre Packungen schreiben.

Top-Marke

"Das ist ein Angriff eines deutschen Konzern auf eine österreichische Marke", sagt Anwalt Rast laut Bericht. Sollten die Deutschen gewinnen, "wäre ein Markenwert von zehn Mio. Euro vernichtet", meint Rast. Soletti zählt zu den 20 bekanntesten Markenprodukten in Österreich, ergab eine Umfrage des Market-Instituts.

Lorenz Bahlsen-Österreich Geschäftsführer Christian Blatnig versucht laut Bericht die Sache herunterzuspielen. Die Klage gegen den Werbespot sei ohnehin schon vom Gericht abgewiesen worden. "Wir haben den Spot schließlich geändert", sagt er. Blatnig wolle den Streit mit Kelly "nicht weitertreiben". "Wir werden nie Soletti auf unsere Packungen schreiben", so Blatnig. Trotzdem sei die Frage, ob Soletti nicht nur eine Marke oder bereits ein Gattungsbegriff ist "in der Tat eine Diskussion wert". Sollte Kelly weiter klagen, werde man diese Diskussion vor Gericht weiterführen, meint Blatnig zur "Presse".

Im Kochbuch festgeschrieben

Wirtschaftsanwalt Rast will die Sache laut Bericht auf jeden Fall vor Gericht durch fechten. "Wir sind dazu gezwungen. Wenn wir uns nicht wehren, laufen wir umso mehr Gefahr, dass Soletti zum Gattungsbegriff wird", sagt Rast. Der Markenname Soletti finde sich zwar noch nicht im österreichischen Wörterbuch, aber in einigen Kochbüchern sei längst nicht mehr von Laugengebäck oder Salzstangen die Rede. Es heiße sehr oft nur noch schlicht "Soletti".

Die Verantwortlichen bei Kelly fürchten laut "Presse", dass der Vorstoß der deutschen Konkurrenz schlafende Hunde wecken könnte. Handelsketten könnten auf die Idee kommen, ihre Billig-Produkte mit dem Namen Soletti zu veredeln. Die Horrorvision wären Clever-Soletti bei Rewe, Spar-Soletti oder Hofer-Soletti beim Diskonter.

Export-Kaiser

Soletti wird mittlerweile in 68 Länder exportiert. In Österreich erreicht Soletti einen Bekanntheitsgrad von 98 Prozent. "Wir werden alles unternehmen, um das zu verteidigen", sagt Kelly-Geschäftsführer Hötschl. (APA)

  • Soletti - Marke oder Gattungsbegriff?
    foto: cremer

    Soletti - Marke oder Gattungsbegriff?

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