Schwieriges Match unter Brüdern

23. Februar 2005, 22:05
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Wie schlagen sich österreichische Weine aus dem Supermarktregal im Vergleich zur internationalen Konkurrenz - Rotwein im Test

SUPERMARKT-ROTWEIN: Wie schlagen sich österreichische Weine aus dem Supermarktregal im Vergleich zur internationalen Konkurrenz, die in diesem Segment etabliert ist? Luzia Schrampf stellte heimische Rotweine solchen aus Chile, Australien, Spanien und Italien gegenüber.


Tatsache ist, dass Wein auch im Land des Ab-Hof-Verkaufs immer häufiger im Supermarkt erstanden wird. Es gibt Winzer, die sich - und das ist ihr gutes Recht - dieser Vertriebsschiene verweigern: Sei es, dass sie weder Mengen noch Möglichkeiten haben, um das Segment zu bedienen, sei es aus Imagegründen. Einige andere Winzer, Verbände und Genossenschaften haben spezielle Supermarktlinien kreiert und diesen Weinen eigene Etiketten verpasst. Grundsätzlich gilt: Der Test hat - trotz kleiner Auswahl - den Verdacht bestätigt, dass es Österreichs Rote in diesem Preissegment nicht gerade leicht haben, mit den "großen Buben" aus Australien, Chile und Süditalien mitzuspielen. Ganz unmöglich ist es aber sichtlich nicht.

Die Kriterien

Insgesamt 13 Weine aus den Regalen der Handelsketten Interspar und Rewe/Billa/Merkur wurden in zwei Runden verdeckt verkostet, Preisgrenze sieben Euro, da der seinerzeitige "Hunderter" (in Schilling) für Weinkäufer noch immer eine Art magische Grenze darstellt. Da sich der Alkohol laut Etiketten um 13 Prozent (plus/minus 5) bewegte, haben wir nicht nach aufsteigender Gradation verkostet. Für die Österreicher wurden vor allem traditionelle Rebsorten oder Cuvées aus denselben ausgewählt. Auf "Regions-Exoten" wurde verzichtet: Blaufränkisch kommt ergo aus dem Burgenland, nicht aus dem Weinviertel. Standen mehrere Jahrgänge zur Auswahl, wurde dem besser beleumundeten der Vorzug gegeben. "Gegner" waren gängige Marken- bzw. Regionalweine aus Australien, Chile, Spanien und Italien, den klassischen "Massenexportländern". Beurteilt wurden Geruch, Geschmack, Gesamteindruck und auch die Eignung als Speisenbegleiter. Lagerfähigkeit ist in diesem Segment ein untergeordnetes Kriterium. Etwa die Hälfte der Weine war mit Naturkork verschlossen. Ein Wein wurde wegen eines Korkfehlers eliminiert. Bewertet wurde nach dem STANDARD-10-Punkte-Schema*.

Die Ergebnisse

1. Blaufränkisch Exquisit 2002, Hans Nittnaus, Gols, 13 %, 6,99 €
Der Wein von Hans und Christine Nittnaus (nicht zu verwechseln mit anderen "Nittnäusen" in Gols, man beachte die Vornamen) aus einem als gut geltenden Blaufränkischjahr zeigte von Beginn an eine angenehme Fruchtigkeit, erinnerte an Kirschen; Geruch und Geschmack harmonisch, mit leichter Fruchtsüße, hielt beim Nachverkosten, was er zu Beginn gezeigt hatte. Gut vorstellbar zu Pasta mit Sauce Bolognese. 7,3

2. Pinot Noir 2003, Kabinett, Weingut Schloss Fels, Rohrendorf im Kremstal, 13 %, 5,49 €
Eine an Kompott erinnernde, durchaus angenehme Frucht - erdbeerig - lässt einen an Pinot Noir denken; wirkt reif; leichte Eukalyptustöne; hohe Säure, "Summerwine" mit etwas bitterer Würze unterlegt. 4,8

3. Red Line, 2002, Zweigelt, Christian Fischer, Soos, Thermenregion, 13 %, 6,99 €
Sehr reife, marmeladige Frucht, Alkohol relativ deutlich, süßliche Anmutung, würzig à la Sojasauce; im Geschmack sehr säuredominiert, uncharmant, hart, mit bitterem Abgang, gefällt nicht. 1,8

4. St. Laurent Tradition, 2001, Stift Klosterneuburg, 13 %, Thermenregion, 5,99 €
Trotz des für frühe Sorten wie St. Laurent guten Jahrgangs fand dieser Wein keinen Anklang beim Testteam: Er erinnert an Medizin und etwas "abgestandene" Maische; im Geschmack sauer und ruppig; ein "dünnes Körperle" liefert sich mit der Säure ein Match. Leider "kein spannendes". 1,5

5. Vinis Unitis, Blaufränkisch & Zweigelt, 2003, Winzerkeller Neckenmarkt, 13 %, 4,99 €
Die "kleinere" der beiden Supermarkt-Serien Vinis Unitis und Terra Cognita, welche der Winzerkeller Neckenmarkt mit Alois Kracher als Mastermind im Hintergrund kreiert hat. Auffallend jugendliche Farbe, im Geruch reifer Holler, sehr harmonisch; im Geschmack rund, balanciert und weich, Tannin als zartes Gerüst im Hintergrund, sehr süffig; hält auch in der zweiten Runde stand. 7,0

6. Wein1/4tler Blauer Portugieser, 2001, Abfüller: Chorrherren Klosterneuburg, Wirtschaftsbetriebe GmbH, 12,5 %, 2,99 €
Helle, braunrote Farbe deutet auf hohes Alter; wirkt im Geruch wie altes Kompott, etwas liköriger Anflug, dazu ganz wenige Bittermandeltöne; insgesamt dünn und säuerlich; hat es natürlich nach einem Prachtburschen wie Nr. 5. doppelt schwer. 1,8

7. Faunus, Salice Salentino, Riserva 1999, Poggio le Volpi, 13,5 %, 3,99 €
Salice Salentino ist einer der beliebtesten, weit verbreiteten Weine aus Apulien, Cuvée aus lokalen Rebsorten wie Negroamaro, Malvasia nera & Co. Jugendliche, ins Violett lappende Farbe, riecht nach frischen Beeren, etwas minzig, dazwischen blitzt kurz ein unerklärlicher Plastikton auf, der sich zum Glück verzieht. Fruchtsüße mit zarter Säuerlichkeit, Tannin, spielt mit den Aromen, sehr üppig, ohne alkoholisch zu sein. Zu Wild und rotem Fleisch gut vorstellbar. Ist "nicht glatt", zeigt Kanten und Charakter. 8,3

8. Cabernet Sauvignon, 2003, Vina Las Pitras, Chile, Valle del Maule, 13 %, 2,99 €
Wird aus Chile nach Österreich gebracht und vom Billa-Hausweingut Wegenstein als "Wein aus Chile" abgefüllt. Geruch minzig-pfeffrig, Häute von dunklen Beeren, geht in Richtung Heidel- und schwarze Johannisbeeren; zum "Daran-Herumriechen"; geschmacklich eher mittelkräftig, nicht ganz so spannend wie 7., zu dunklem Fleisch, Steak oder Eintopf sehr gut vorstellbar; positiver Eindruck auch in der zweiten Runde. 7,1

9. Shiraz Cabernet, 2001, Rawson's Retreat, Penfolds, 13 %, 6,99 €
Penfolds erzeugt nicht nur den Aussi-Kultwein "Grange", sondern auch verlässliche Markenweine in mittleren und unteren Preissegmenten. Geruch und Geschmack: Harmonisch, angenehm, fast glatt, Frucht mit Würze erinnert an Kräuter der Provence; aromatisch, sehr "fertig" in der Entwicklung, Ansätze von Finesse, attraktiv. 8,2

10. Nero d'Avola, 2003, Caleo, Sizilien, 13 %, 2,49 €
Kommt aus einer Gegend, aus der in Zukunft in allen Ligen einiges zu erwarten ist. Lokale Rebsorte, jung, ordentlich Alkohol spürbar, etwas Eukalyptus und Sojasauce; im Geschmack ruppiges Tannin, trockene Säure, aber mit Fruchtsüße gepaart. Wirkt insgesamt unrund, aber nicht uninteressant. 6,0

11. Blauer Zweigelt 2002, Classic, Haus Marienberg, Mad, Oggau, 12,5 %, 4,99 €
Riecht nicht gerade jung, etwas uniformer, süßlicher Geruch; im Geschmack süßlich-süffig und trotzdem mit relativ hoher weichselartiger Säure. Urteil: "na ja". 2,5

12. Sonsierra Crianza 2000, Tempranillo, Bodegas Sonsierra, Rioja, 13 %, 5,99 €
Stammt aus einer Gegend, die von Genie bis Wahnsinn alles anzubieten hat. Auffallend divergierende Meinungen der Tester. Deutlicher oxidative Noten im Geruch, was bei Old-Style-Weinen dieser Region erwünscht und daher positiv sein kann. Vanillenoten im Hintergrund, schmeckt etwas marmeladig, herbe Noten im Abgang, wirkt insgesamt etwas unrund und dünn. 3,0

* 0-2 Punkte: einfaches Basicprodukt
2,1-5 gutes Produkt, mit einigen zusätzlichen Attributen, die es interessant machen
5,1-8 sehr gutes Produkt mit vielen interessanten Aspekten, die es deutlich aus der Masse hervorheben
8,1-10 ausgezeichnet bis perfekt
(DER STANDARD, Printausgabe vom 2./3.10.2004)

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.
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