Kommentar: Kulissenschieber

6. Dezember 2004, 12:07
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Nach massivem Lobbying bleibt bei der Lebens­versicherung für Frauen in der EU alles beim Alten - von Karin Bauer

Wer hat etwas anderes erwartet? Die EU wird die Versicherungen doch nicht verpflichten, von Frauen und Männern gleich hohe Prämien zu kassieren. Zwar darf das so genannte "Geburtenrisiko" (sollte eher als Chance begriffen werden) die Krankenversicherungsprämien für Frauen nicht mehr verteuern, es wird den Konzernen aber ein versicherungsmathematisch begründeter Ausweg einfallen. Im Prinzip bleibt bei den Assekuranzen alles, wie es ist. Vor allem bei der für die Altersvorsorge wichtigen Lebensversicherung, die für Frauen viel teurer ist, weil sie länger leben. Alles ganz logisch.

Politischer Wille gefragt

Nach dem massiven Lobbying der Versicherungen gegen Unisextarife ist das alles nicht verwunderlich. Die Angelegenheit in Österreich damit in die Schublade zu legen wäre aber vollkommen falsch - jetzt muss die Diskussion erst richtig losgehen, denn das Thema ist ein gesellschaftspolitisches, das weit über Versicherungsverträge hinausreicht. Dazu braucht es keine EU- Dekrete, sondern politischen Willen. Frauengleichbehandlung als versicherungsmathematisches Problem darzustellen ist zwar clever - aber feig und falsch. Wenn Österreich seinen Frauen gleiche Chancen einräumen will, dann soll es - auch bei den Versicherungen - steuerpolitisch und budgetär eingreifen.

Staatliche Förderung für Frauen in der Krankenversicherung wäre eine Möglichkeit, die höhere Absetzbarkeit der Frauenprämien eine andere. Denn dass der Lebensalltag und die Erwerbschancen von Müttern im Alltag meist deutlich anders aussehen als die von Vätern, ist eine Tatsache. Also: Warum reden wir nicht über kostenfreie Kinderbetreuung, um den Frauen ein Erwerbsleben zu ermöglichen, das sie in ihrem Alter absichert? Lebensversicherungsprämien können sie dann auch leichter bedienen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 2./3.10.2004)

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